Wie du lernst, bewusst zu kommunizieren

 
 
Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker Natürlich nicht mit der Plastiktüte über dem Kopf kommunizieren! Das Foto ist übrigens aus der Masken-Abteilung vom Theater. Ich fand es passend, weil Kommunikation viel zu oft so läuft: wie durch einen Schleier - nicht wirklich mit den anderen verbunden und auch nicht mit uns selbst... 

Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker
Natürlich nicht mit der Plastiktüte über dem Kopf kommunizieren! Das Foto ist übrigens aus der Masken-Abteilung vom Theater. Ich fand es passend, weil Kommunikation viel zu oft so läuft: wie durch einen Schleier - nicht wirklich mit den anderen verbunden und auch nicht mit uns selbst... 


Sicher ist dir schon aufgefallen: Nicht nur das Was, auch das Wie ist für die zwischenmenschliche Kommunikation von Bedeutung. 

Also: es sind nicht allein die Worte entscheidend, wie eine Botschaft beim Zuhörer ankommt. 

Ebenso wichtig sind beim Kommunizieren deine Körpersprache oder Körperausdruck und dein Sprechausdruck. Und natürlich deine innere Haltung, die bei jeder Kommunikation mit transportiert wird. 

Kennst du dieses Sprichwort?  ‚Der Ton macht die Musik.’

Hier steckt diese altbekannte Wahrheit schon drin: dass Inhalt und Ausdruck übereinstimmen müssen. Aber diese Wahrheit schlüpft gern mal aus unserem Bewusstsein raus. 

Plötzlich stehen wir dann da und fragen uns, warum unsere Botschaft nicht angekommen ist. Warum unsere Gesprächspartner oder die Zuhörer bei einer Präsentation so anders reagieren, als wir es uns wünschen. 

Missglückte Kommunikation ist ärgerlich. Und nicht klappende Verständigung kann weh tun. Oft entstehen daraus Verletzungen und Missverständnisse. Doch allein das Gefühl, einfach nur aneinander vorbei geredet zu haben, ist schon sehr frustrierend.  

Schließlich geht es uns allen in der Kommunikation mit unseren Mitmenschen doch darum: wir wollen verstanden und gesehen werden. Mit unseren Anliegen gehört und wahrgenommen werden. Und uns mit unserem Potential, mit all unseren individuellen Zielen an der Entwicklung des großen Ganzen beteiligen. 
 

Wann du bewusst kommunizierst

Damit deine kommunikativen Streuverluste so gering wie möglich ausfallen, kannst du lernen, bewusster zu kommunizieren. In Gesprächen, bei Vorträgen oder in einem Meeting. Du kommunizierst bewusst, wenn du eine möglichst gute Wahrnehmung über 4 Bereiche hast: 

  1. Deine innere Haltung: was du mit deinen Aussagen erreichen willst und warum. 
  2. Deinen Körperausdruck: wie dein Körper deine Aussagen unterstützt und was er 'macht', während du sprichst und zuhörst. 
  3. Deinen Sprechausdruck: wie deine Stimme klingt und wie du sie einsetzen kannst. 
  4. Deine Worte: wie du dich auf der verbalen, inhaltlichen Ebene bestmöglich ausdrückst, um dein kommunikatives Ziel zu erreichen. 

In diesem Artikel geht es vor allem um die ersten 3 Punkte: innere Haltung, Körperausdruck und Sprechausdruck. Und was du tun kannst, damit sie eine starke Einheit bilden, um dich beim Kommunizieren mit anderen Menschen optimal zu unterstützen. 

Ob wir wollen oder nicht: zwischenmenschliche Kommunikation wird vom Körper- und Sprechausdruck mitgeprägt. Wie dein Körper sich verhält und wie deine Stimme klingt. Die Informationen, die wir über diese Kanäle erhalten, sind besonders wichtig. Es sind zusätzliche Ebenen, über die Informationen vermittelt werden.
Manchmal andere, als über die rein sprachliche Ebene. 
 

Das hast du sehr gut gemacht. Nicht.

Hast du Folgendes schon mal erlebt?  Dein Gegenüber sagt zu dir: „Das hast du sehr gut gemacht.“ Auf der sprachlichen Ebene ist das ein Lob. Nun stell dir aber dazu vor, dass dein Gesprächspartner dabei auf den Boden blickt, die Arme verschränkt hält und einen Tonfall anschlägt, als wollte er dich auffressen. 

Und schwupps: diese Botschaft kommt  aufgrund der Sprechhaltung und des körperlichen Ausdrucks ganz anders an, als vom Wortinhalt her. Der Inhalt und der restliche Ausdruck passen einfach nicht zusammen.

Wahrscheinlich nimmst du aus diesem „Lob“ mit, dass du irgendwas falsch gemacht hast, dass dein Gegenüber unzufrieden ist. Du wirst der Wort-Botschaft keinen Glauben mehr schenken können. In diesem Fall haben dann Körper- und Sprechausdruck miteinander die inhaltliche Äußerung übertrumpft. 
 

Der Inhalt einer Botschaft sollte mit dem Ausdruck von Körper und Stimme zusammenpassen

Körper- und Sprechausdruck haben immer einen hohen Informationswert. Auf der wörtlichen Ebene können wir vieles sagen und behaupten – wenn die Botschaft nicht durch einen kongruenten, passenden sprecherischen und körperlichen Ausdruck abgesichert wird, entfalten die Worte keine Wirkung. 

Wenn daraus Verunsicherung und Misstrauen entstehen, befinden wir uns plötzlich  mitten im kommunikativen Dschungel, wo Verständigung deutlich schwieriger wird. 

Was wir an anderen Menschen etwas wahrnehmen, hat immer auch eine Wirkung auf uns. Selbst dann, wenn diese Wahrnehmungen nicht ins vorderste Bewusstsein dringen.

Vielleicht bleibt nur ein subtiler Eindruck von: „Da war irgendwas komisch.“ Oder: „Da hat was nicht zusammen gepasst.“

Genauso läuft es natürlich auch in die andere Richtung. Wenn du etwas sagst oder tust, bekommst du von deinem Gegenüber eine Reaktion zurück. Manchmal fällt sie zufriedenstellend aus und verbindet dich weiter mit der anderen Person. Manchmal ist die Reaktion auch ganz anders, als erwartet.  

Das kann natürlich auch etwas mit deinem Gegenüber zu tun haben. Dann hast du darauf keinen 'Zugriff'. Aber du kannst immer verändern, wie du selbst kommunizierst - durch dein Zuhören und beim Sprechen selbst. 

Natürlich ist es nicht befriedigend, eine Botschaft irgendwie abzusenden und zu hoffen, dass sie schon richtig verstanden wird. Das kann nämlich schnell zu Frustration führen. Aber es gibt Hebel, bei denen du ansetzen kannst. 
 

Erfolgreiche Kommunikation hängt mit 2 Dingen im besonderen Maße zusammen

2 Eckpfeiler sind für gelungene Kommunikation entscheidend. Und beide hast du in der Hand und kannst darauf einwirken. 

  1. Behutsame Deutung deines Gesprächspartners: Hier geht es darum, sich in der Kommunikation auf den anderen Menschen einzustellen und genau wahrzunehmen, was da ist.

    Die Betonung liegt dabei auf: behutsame Deutung. Kein Herumpsychologisieren und keine vorschnellen Interpretationen. Mehr Wahrnehmen und Annehmen. Dazu kannst du deine Fähigkeit zum Zuhören und genauen Beobachten schulen. Und natürlich deine Empathie-Fähigkeit. 
     
  2. Aufmerksame Selbst-Wahrnehmung: Auf deinen Gesprächspartner kannst du nur bedingt Einfluss nehmen. Doch deine Selbst-Wahrnehmung kannst du in jeder Situation ausbauen und stärken.

    Im Folgenden verrate ich dir 3 Punkte, an denen du für eine aufmerksamere Selbstwahrnehmung ansetzen kannst. So lernst du dich und deine kommunikativen Reaktionen besser kennen. 

    Das wiederum ebnet dir den Weg zu wirklichem Verständnis - von dir selbst und von anderen. Damit du bewusst kommunizierst und ankommt, was du zu sagen hast. 
     
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Selbstwahrnehmung hat nichts mit Kontrolle zu tun

Eines noch vorneweg, weil mir das besonders wichtig ist: wenn es um aufmerksame Selbstwahrnehmung geht, dann ist damit keinesfalls Kontrolle gemeint. Das ist ein total wichtiger Unterschied, wenn es um die Wahrnehmung innerer und äußerer Prozesse geht! 

Es geht nicht darum, dass du mit der Peitsche hinter dir selbst stehst - und bestimmte Reaktionen oder Wahrnehmungen unterbindest oder bekämpfst. Es geht nicht darum, dass ein bestimmtes Verhalten nicht da sein darf oder nicht richtig ist. 

Vielmehr geht es um offenes Beobachten: mit einer freundlichen Haltung. Ruhig und gelassen. Mit einer inneren Haltung, die sagt: "Ah, da ist was. Interessant."

Interessiere dich für das, was dir begegnet. Nimm es freundlich wahr. Und verändere es sanft, wenn dir ein anderer Ausdruck mehr nützt. Die wichtigen Wörter dabei sind: Offen, freundlich, sanft.
 

Diese 3 Dinge kannst du tun, um bewusster zu kommunizieren

1.      Nimm wahr, was in dir passiert

Der erste Schritt führt über ein genaues Bewusstmachen deiner inneren Abläufe. Wenn du kurz innehältst und in dich reinhörst, was nimmst du dann wahr? 

Hier spielen folgende Fragen eine Rolle:
Was möchtest du gerade?
Wie fühlst du dich?
In welcher Situation befindest du dich gerade?
Was löst das in dir aus – an Gedanken und an Gefühlen? 
Welches Bedürfnis ist gerade vorherrschend? 

Hier geht es noch nicht um Veränderungen – sondern um ein waches und interessiertes Wahrnehmen von dem, was ist. 
 

2.      Beobachte, wie sich die innere Haltung im Körper ausdrückt

Achtsame Beobachtung ist der zweite Schritt auf dem Weg zu bewussterer Kommunikation. Und auch hier geht es noch nicht um Veränderung. 

Nun nimmst du wahr und beobachtest, wie sich deine Stimmung, deine Gedanken und Gefühle, deine innere Haltung, in deinem Körper ausdrücken.

Jetzt bewegen wir uns schon auf der Ebene, was auch andere Leute an dir äußerlich wahrnehmen können: deinen Körperausdruck. Denn natürlich haben sie den immer 'im Blick', wenn sie dich ansehen und mit dir kommunizieren. 

Du kannst dich nicht von außen sehen. Höchstens, wenn du in einen Spiegel blickst. Aber da sind wir alle zu sehr darauf trainiert, das nicht-so-Wichtige wahrzunehmen: wie die Haare fallen oder ob die Wimperntusche verschmiert ist. Nein, der Spiegel-Blick hilft dir da nicht weiter. 

Wenn du dich also nicht von außen betrachten kannst, dann hilft dir der Blick von innen. Die Beobachtung deines Körpers von innen: wie er atmet, wo du Anspannungen spürst, wo es fest oder locker ist. 

Ein guter Punkt, um die achtsame Beobachtung zu beginnen, ist der Atem.
Wie verhält er sich gerade?
Wo spürst du deinen Atem besonders deutlich? 
Geht er flach? Ruhig und regelmäßig? Ist er gepresst? 

Dann kannst du deine Beobachtung fortsetzen und andere Bereiche deines Körpers in dein Bewusstsein aufnehmen:

Wie stehst du gerade da?
Mit beiden Beinen fest auf dem Boden?
Oder hibbelst du von einem Fuß auf den anderen? 

Wo sind deine Hände?
Ballst du sie zur Faust?
Hängen sie locker und entspannt neben deinem Körper? 

Wo fühlst du besondere Spannung?
An welchem Teil deines Körpers zwickt und zwackt es?
Gibt es einen Punkt, der besonders angespannt ist? 

Was machen deine Schultern?
Fallen sie nach vorne?
Fühlen sie sich verspannt an? 

Du wirst merken, dass deine innere Haltung auf die eine oder andere Weise mit dem Empfinden deines Körpers verbunden ist. Mach dir bewusst, was du fühlst - und wie sich das in den verschiedenen Teilen deines Körpers ausdrückt. 
 

3.      Verändere behutsam einzelne Aspekte deines Ausdrucks

Erst im dritten und letzten Schritt geht es darum, das innerlich und äußerlich Wahrgenommene in eine andere Form zu überführen und das eigene Verhalten behutsam zu ändern. Natürlich nur, wo es Sinn macht und die Kommunikation befördert. 

Körper- und Sprechausdruck sind absolut individuell. Deswegen geht es niemals darum, ein uniformes Rede- oder Gesprächsverhalten anzutrainieren. Über das Bewusstmachen und die Beobachtung hast du aber schon viele Informationen bekommen, was in einer herausfordernden Kommunikations-Situation in dir abläuft und wie sich das körperlich ausdrückt. 

Vielleicht hast du gemerkt, dass deine Schultern verspannt sind oder dass dein rechter Fuß immer wild wippt, wenn dich was aufregt. Oder du hast wahrgenommen, dass du auf deinen Lippen rumbeißt, wenn dein Herz vor Anspannung rast. 

In diesen Beschreibungen steckt es schon drin: das Thema Spannung. Denn wenn du innerlich angespannt bist, weil etwas psychisch anstrengend oder intellektuell herausfordernd (oder beides) ist, drückt sich das auch in der Körperhaltung aus. 

Die gute Nachricht daran ist: das gilt auch in umgekehrter Richtung!

Denn bewusste körperliche Entspannung bzw. der Abbau von Verspannungen hilft dir dabei, die innerliche Überspannung zu lösen. Und wenn sie sich löst, treten Ruhe und Sicherheit an ihre Stelle. 

Hier kommt wieder der Atem ins Spiel: oft hilft es schon, ganz bewusst zu atmen. Schicke deinen Atem mental an die Stellen, an denen du deine Verspannungen besonders deutlich wahrnimmst. Dadurch tritt in vielen Fällen bereits eine Lockerung ein. 

Darüber hinaus kannst du Körperhaltungen vermeiden, die beim Kommunizieren eine Verspannung geradezu fördern. Dazu zählen das Verschränken der Arme vor der Brust und das Ballen der Hände zur Faust ebenso wie ein Hochziehen der Schultern. Auch das Festhalten an einem Rednerpult, an Tisch oder Stuhl kann zu Verspannungen führen. 

Versuche, diese Dinge bewusst nicht zu tun, die Verspannungen fördern. Bemühe dich, für dich stimmige und offenere Alternativen zu finden. Das wirkt sich sofort auf deine innere Haltung und deinen gesamten Ausdruck aus.
 

So bewusst wie möglich kommunizieren

Dein Körperausdruck, Sprechausdruck und natürlich auch dein inneres Empfinden sind immer vorhanden und senden Botschaften aus. Sie sind so eng miteinander verbunden, das die eine Ebene immer in den anderen auch enthalten ist und durch sie hindurchwirkt. 

Das sagt auch der Psychologe Paul Watzlawick mit seinem berühmten Ausspruch: "Man kann nicht nicht kommunizieren". 

Was du aber lernen kannst: so bewusst wie möglich kommunizieren.

Das gelingt durch immer bessere Eigenwahrnehmung, genaues Feedback und natürlich durch fortgesetztes Interesse für dich selbst und deine inneren Prozesse.  Und durch Übung.

Mit jedem Schritt siehst du dann deine Wirkung klarer. So kannst du wach, absichtsvoll und zugewandt das ausdrücken, worauf es dir wirklich ankommt.  

 

Wünschst du dir mehr Bewusstheit beim Kommunizieren? Deine Botschaften sollen bei deinem Gegenüber so ankommen, wie du das möchtest:  klar und total verständlich? Dann unterstütze ich dich gerne mit einem Rhetorik Coaching.

Da widmen wir uns genau deinen Themen beim Sprechen und Kommunizieren. Damit wirklich ankommt, was du zu sagen hast.