PERSPEKTIVENWECHSEL: 6 WICHTIGE FRAGEN FÜR IHRE REDE-VORBEREITUNG

 
 
Beitragsbild: unsplash

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Bei jeder Rede investieren Ihre Zuhörer ein Stück ihres Lebens und wertvolle Zeit in Sie. Die Menschen, die Ihnen im Publikum gegenüber sitzen, haben sich aus den unterschiedlichsten Situationen heraus auf den Weg gemacht. Sie wollen im Hinblick auf ihre Interessen etwas erfahren, gut informiert oder spannend unterhalten werden.

Je genauer Sie wissen, wen Ihre Worte erreichen sollen, desto besser können Sie Ihre Rede für Ihrer Zuhörer maßschneidern.

Sie werden dann eine Sprache wählen, die den Kenntnissen Ihres Publikums entspricht. Es macht einen großen Unterschied, ob Sie vor FachkollegInnen reden, vor interessierten „Laien“ – oder aber vor einer gemischten Gruppe. Je nachdem, werden Sie etwa Fachbegriffe erklären, umschreiben oder sparsam mit ihnen umgehen.

Versuchen Sie weiters, an die Erfahrungen Ihres Publikums anzuknüpfen. Vielleicht gibt es allgemein zugängliche Berufs- oder Alltagserfahrungen, die mit Ihrem Thema verbunden sind. Dann können Sie diese in Ihre Rede einbauen und dadurch Ihre Zuhörer „mitnehmen“.

Sie halten Ihre Rede für die Leute, die vor Ihnen sitzen: dementsprechend ist nicht allein wichtig, was Ihnen einleuchtend erscheint oder von besonderer Bedeutung ist. Die Frage ist vielmehr, was an Ihrem Thema für Ihre Zuhörer wichtig ist.

Mit den folgenden 6 Fragen können Sie sich im Vorfeld bei der Rede-Planung in Ihre Zielgruppe hineindenken. Diese Perspektivenübernahme hilft Ihnen, sich in die Sichtweisen und Lebenswelten der Menschen in Ihrem Publikum zu versetzen. Dadurch können Sie diese in Ihrer Rede benennen und einflechten – und damit einen wirklichen Kontakt zu Ihren Zuhörern aufbauen.
 

1.     Zu wem spreche ich: wer sind meine Zuhörenden?

Das ist die Frage nach Ihrer Zielgruppe. Versuchen Sie, sich die Menschen, die später vor Ihnen sitzen werden, so genau wie möglich vorzustellen. Wie ticken diese Leute: wer hört Ihnen zu?

Aber Achtung: Auch wenn Ihr Publikum eine „Gruppe von Leuten“ ist, handelt es sich dabei doch um viele Individuen. Sie unterscheiden sich in Alter, Geschlecht, beruflicher und gesellschaftlicher Position und noch vielen anderen Punkten. Was verbindet diese Menschen miteinander?  Was ist das generelle gemeinsame Interesse all dieser Menschen, bezogen auf Ihr Thema?
 

2.     Warum hören sich meine Zuhörer meine Rede an?

Vielleicht wollen sich Ihre Zuhörer aus beruflichen Gründen informieren oder sie wurden delegiert. Handelt es sich beim Publikum um privates Interesse oder um persönliche Betroffenheit bezüglich des Rede-Gegenstands? Jeder einzelne Anwesende hat einen bestimmten Beweggrund, bei Ihrer Rede zugegen zu sein. Versuchen Sie, diese Frage nach dem Warum so genau wie möglich zu fassen und darauf einzugehen. Gibt es einen "gemeinsamen Nenner" der Gründe
 

3.     Welche Kenntnisse und welchen Wissensstand hat mein Publikum?

Sprechen Sie vor inhaltlich versierten KollegInnen und ExpertInnen oder müssen Sie davon ausgehen, dass die Inhalte Ihrer Rede für die allermeisten Zuhörer Neuland sind? Je nach Antwort auf diese Frage werden Sie die Art und Weise, wie Sie informieren und das Publikum miteinbeziehen, anpassen.
 

4.    Welche Ziele und Erwartungen haben meine Zuhörenden?

Jeder einzelne Ihrer Zuhörer bezweckt etwas damit, dass er Ihnen die Aufmerksamkeit schenkt. Was erwarten diese Menschen? Ein Mehr an Wissen, Erfahrung, Inspiration? Eine Bestätigung der eigenen Gedanken und Ansichten?

Hinter den persönlichen Interessen und Erwartungen stehen Bedürfnisse. Das kann etwa das Bedürfnis nach Sicherheit sein, im wirtschaftlichen wie im physischen Sinne. Oder es sind soziale Bedürfnisse damit verbunden: Zugehörigkeit, Anerkennung, Respekt. Es gibt natürlich noch eine Vielzahl weiterer Bedürfnisse: sie sind die Antriebsfeder unseres Handelns. Je genauer Sie die jeweiligen Bedürfnisse Ihrer Zuhörer kennen, desto besser können Sie darauf eingehen.
 

5.    Welche Einstellungen haben meine Zuhörer zum Thema der Rede?

Jedes Thema ruft Einstellungen, Wertungen und Gefühle hervor. Handelt es sich bei Ihrer Rede um ein Lieblingsthema des Publikums, oder ist es ein Reizthema, das mit starken negativen Gefühlen verbunden ist?

Das kann etwa passieren, weil der Vorschlag in einer Rede tiefgreifende Veränderungen in den Lebensumständen nach sich ziehen wird. Wenn Sie schon bei der Vorbereitung Ihrer Rede die Befürchtungen und Vorbehalte des Publikums klar vor Augen haben, können Sie diese miteinbeziehen. Somit greifen Sie die reale Situation Ihrer Zuhörer auf: Sie „holen Ihr Publikum ab“ und nehmen die Menschen in ihrer jeweiligen Situation ernst.

Gerade, wenn es schwierig werden könnte, denken Sie im Vorfeld auch über mögliche Einwände und Zwischenfragen nach. Oft gibt es im Anschluss an die Rede eine Diskussion: haben Sie auch diese im Blick und bereiten Sie sich darauf vor. Das führt wiederum dazu, dass Sie bereits im Vorfeld „im gedanklichen Gespräch“ mit Ihrem Publikum sind, und Vieles an zu erwartenden Einwänden bereits in Ihre Rede einarbeiten können.
 

6.    Wie sieht mich mein Publikum?

Welche Einstellungen und inneren Bilder hat Ihr Publikum zu Ihnen selbst? Sieht es Sie als Fachfrau, als Wissenschaftler, als Vorgesetzte oder als Kollege? Wird Ihr Publikum aller Voraussicht nach freundlich und aufgeschlossen sein – oder müssen Sie die Menschen vor Ihnen erst überzeugen und „ins Boot holen“?
 

Wenn Sie schon bei der Vorbereitung Ihrer Rede immer im „Dialog“ mit Ihrem Publikum sind, bewahrt Sie das vor einer großen Gefahr: nämlich, dass Sie Ihre eigene Denkweise und Sicht der Dinge alleinig in den Vordergrund stellen. Passiert das, ernten Redner schnell Desinteresse und Unverständnis: „Und, was hat das jetzt mit mir zu tun?“

Je näher Sie an Ihren Zuhörern in jedem Stadium Ihrer Rede „dran“ sind, desto verständlicher werden Sie sprechen, desto eher können Sie überzeugen und begeistern. Nehmen Sie die Vorbereitung auf Ihre Rede als eine Möglichkeit wahr, Ihrem Publikum in Gedanken zuzuhören. Jeder einzelne dieser besonderen Menschen, die Ihnen die Aufmerksamkeit schenken, liebt es, mit seinen Anliegen und Ideen ernst genommen zu werden und vorzukommen. 


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