Warum Stimmsenkungen und Pausen beim Sprechen so wichtig sind

 
 
Photo by Toa Heftiba on Unsplash

Photo by Toa Heftiba on Unsplash

Oft sind es die ‚kleinen‘ Dinge, die einen großen Unterschied machen. Wenn ich die Straße entlang gehe und plötzlich kommt genau die passende Musik zum Sommertag aus einem offenen Fenster. Wenn ich mir an einem Arbeitstag eine wirkliche Pause gönne und mit einem frischen Kopf an den PC zurückkehre.

Plötzlich verändert sich, wie ich die Welt um mich her wahrnehme.

Eine stimmige Melodie kann einen Unterschied machen. Eine Pause kann verändern, wie der restliche Tag abläuft.

Beim Sprechen ist das genauso. Deine Pausen und deine Sprechmelodie beeinflussen, wie gut du von deinen Zuhörern verstanden wirst und wie überzeugend du wirkst. Gleichzeitig haben diese sprecherischen Mittel auch einen inneren Effekt auf dich selbst.

Warum darauf achten, wenn doch die Inhalte zählen?

Ja, Inhalte sind wichtig. Gerade bei informativen Reden.

Aber wie du etwas sagst, ist entscheidend für die Sinnerfassung und für den Gesamt-Eindruck, der von deinem Reden bleibt.

Beim Lesen helfen uns Satzzeichen, um den Sinn des Geschriebenen zu erfassen. Komma, Fragezeichen, Punkt – sie alle versorgen uns mit wichtigen Informationen und verbinden die Inhalte miteinander. Beim Lesen sehen wir, wo ein Gedanke aufhört und wo ein neuer beginnt.

Zuhörer brauchen hingegen klare stimmliche Signale, um sich zu orientieren. Als Rednerin gibst du sie ihnen durch deine Sprechmelodie und durch die Pausensetzung.
 

Bring deine Aussage 'auf den Punkt'

Deswegen ist es entscheidend, dass du am Ende eines Satzes und eines Gedankens deine Stimme senkst. Am Theater nennen wir das ‚auf den Punkt sprechen‘. Mach einen wirklichen Punkt am Ende einer Aussage.

Das Gegenteil einer Stimmsenkung ist ein Hochschluss. Wenn du eine Frage stellst, geht deine Stimme nach oben: in diesem Fall ist das normal. Über die Melodieführung nehmen wir wahr, ob es sich um eine Frage oder eine Aussage handelt.

Vielen Frauen passiert es jedoch beim Sprechen, dass sie auch am Ende eines Aussage-Satzes mit der Stimme nach oben gehen. Das kann bei den Zuhörern Verwirrung stiften und die Wahrnehmung hervorrufen, dass die Redende sich unsicher über die Relevanz ihrer Aussage ist.
 

Hochschlüsse beim Sprechen sind oft jahrelang antrainiert

Dieses Verhalten ist oft unbewusst und wurde jahrzehntelang eingeübt. Viele Frauen vermeiden dadurch, ihre Aussagen wirklich 'in den Raum zu stellen'. Sie werden, indem sie im Frage-Modus daherkommen, sprachlich zurückgezogen. So bieten sie zwar weniger Angriffsfläche, werden aber auch nicht wirklich wahrgenommen. 

Achte also darauf, deine Stimme am Ende eines Satzes bewusst zu senken und nicht zu viele Gedanken hintereinander zu reihen. Sonst können deine Zuhörer deine Inhalte und Informationen nicht mehr richtig aufnehmen.

Verständliches Sprechen und letztlich auch der Eindruck von Kompetenz hängen direkt mit der Häufigkeit der Stimmsenkungen zusammen.
 

Pausen sind wichtig für Verständlichkeit und Gliederungen

Ebenso wichtig sind Pausen für das verständliche Sprechen: in ihnen wird der Sprechfluss kurz angehalten. Wichtige Aussagen können durch sie unterstrichen werden. Mit Pausen werden Redebeiträge in unterschiedliche Abschnitte gegliedert.

Pausen beim Sprechen geben dir Zeit, um Luft zu holen und einen neuen Sprechabschnitt zu beginnen. Deine Stimme klingt klarer und kraftvoller. Die Zuhörer wiederum benötigen Pausen, um über deine Aussagen nachzudenken: so können sie dir besser folgen.

Hab Mut zur Pause! Auch wenn dir eine Pause endlos lang vorkommt, wird sie von deinen Zuhörern nicht so empfunden. Sie sind sogar dankbar dafür, selbst kurz durchatmen zu können und das Gehörte sacken zu lassen.
 

Warum Frauen beim Sprechen Pausen vermeiden

Sowohl Stimmsenkungen als auch Pausen zu machen, fällt Frauen beim Sprechen oft schwer. Schließlich sitzt bei vielen von uns die Erfahrung tief, während des Redens leicht unterbrochen zu werden.

Als Gegenreaktion haben es sich viele Frauen angewöhnt, besonders schnell und ‚ohne Punkt und Komma‘ zu sprechen. Diese Tendenz wird oft durch Lampenfieber und Nervosität noch verstärkt. Die Sprecherin wirkt dadurch unsicher und vermittelt den Eindruck mangelnder Kompetenz.
 

Wie Stimmsenkungen und Pausen nach innen wirken

Andersherum vermitteln klare Pausen zwischen den Sätzen und deutliche Stimmsenkungen Sicherheit. Die wirkt nicht nur nach außen, sondern nach innen.  Beim Sprechen beeinflusst jeder einzelne Teil das Ganze. Es handelt sich um eine lebendige Wechselwirkung.

Sprecherische Signale von Ruhe und Sicherheit haben einen großen inneren Einfluss auf Gefühle und Gedanken – und letztlich auch auf das Selbstbild. Du darfst dir beim Sprechen Zeit lassen, du darfst Pausen machen – und dir mit deinem Sprechen Raum nehmen.  

Dann wirst du von deinen Zuhörern als sicher, klar und kompetent wahrgenommen.

Pause. Und Punkt.