EIN NEUER UMGANG MIT LAMPENFIEBER

 
 
Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker

Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker

 

Ja, dieses leidige, elendigliche Lampenfieber... Sie können es eigentlich nie brauchen, wenn es auftritt, oder? Denn natürlich kommt es immer dann, wenn Sie sich wünschen würden, besonders sicher, ruhig und vollkommen fokussiert zu sein. Selbst dann, wenn Sie sich auf die Redesituation vorbereitet, ein Konzept ausgearbeitet und sogar einen genügend großen Informationsvorsprung vorm Publikum haben.

Und dann das: Herz in der Hosentasche, Frosch im Hals, Zittern in den Knien und eine Atmung wie nach einem Marathonlauf. Eine einzige innere Hochschaubahn. Wo ist da der Notausstieg? 

NEEEIIIINNN“, schreit es innerlich, „das darf nicht sein, weg weg weg, Lampenfieber!“ Doch es hört nicht zu, das Lampenfieber, reagiert wie ein trotziges Kleinkind - und verstärkt sich nur noch.
 

Lampenfieber betrifft die allermeisten Menschen

Zur Beruhigung: mit Lampenfieber vor einem Auftritt oder einer Rede stehen Sie nicht allein da. Lampenfieber und seine gesteigerte Form, die Sprechangst, betreffen die allermeisten Menschen. Mindestens jede Person, die sich selbst nicht vollkommen kritiklos als die „Beste“ sieht – und wer tut das schon?

Die Angst vor dem Sprechen vor Publikum ist sogar der Hauptgrund für den Besuch von Rhetorikseminaren. Kein Wunder: niemand empfindet gerne Angst in einer so exponierten Position.
 

Der Steinzeitmensch kämpft oder flüchtet

Lampenfieber entsteht, weil die bevorstehende Sprechsituation als Stressor wahrgenommen wird. Der Körper reagiert dementsprechend. Alles wird, dem Steinzeitmensch in uns sei Dank, auf „Kampf oder Flucht“ umgestellt. Deswegen rast das Herz, schwitzen die Hände, steigt der Blutdruck, rutscht die Atmung hoch. Diese typischen Symptome des Lampenfiebers werden als sehr unangenehm wahrgenommen.
 

Einfach das Sprechen vermeiden?

Ist es eine Lösung, dem Sprechen vor Publikum möglichst aus dem Weg gehen? Langfristig gesehen nicht. Erstens reden dann immer nur die gleichen Leute: diejenigen, die ihr Lampenfieber schon im Griff haben. Zweitens kann das Vermeiden der Redesituation die Angst noch weiter verstärken. Deswegen lohnt es sich, dem Lampenfieber ins Auge zu blicken.
 

Mit dem Lampenfieber sprechen

Akzeptanz ist der erste Schritt zu einem neuen Umgang mit der Angst vor dem Reden. So, als würden Sie dem Lampenfieber sagen: „Ja, du bist da. Ich sehe dich. Das ist okay.“

Auch wenn es komisch klingt, mit dem Lampenfieber zu sprechen: Es kann den Druck sofort verringern, die innere Unsicherheit zu akzeptieren und anzunehmen. Sie ist ja eh da. Wenn Sie dagegen ankämpfen, dauert dieser Zustand gerade deshalb an. Wenn das Lampenfieber aber da-sein darf, kann ein neuer Umgang damit gelingen. 
 

Den Atem bewusst beeinflussen lernen

Viele physiologischen Folgen des Lampenfiebers können beim Sprechen nicht unmittelbar beeinflusst werden. Die Hände schwitzen. Die Stresshormone pulsieren im Blut. Auf die Atmung jedoch können Sie bewusst einwirken und so störende Stressreaktionen in Grenzen halten. Die Beherrschung der richtigen Sprechatmung gilt als eines der ältesten Mittel gegen Lampenfieber.
 

Proben als wirksames Mittel gegen Lampenfieber

Ein sehr wirksames Mittel gegen Lampenfieber sind Proben. Dabei erschließen Sie sich neue hilfreiche Verhaltensweisen, um mit der inneren Unsicherheit umzugehen. Sie üben, trotz der Nervosität bewusst Blickkontakt mit dem Publikum aufzubauen oder eine für das Sprechen förderliche Körperhaltung einzunehmen. Zudem lernen Sie, Ihren Körper- und Sprechausdruck bewusst wahrzunehmen und zu verändern.

Ganz direkt gesagt: auch und gerade die absoluten Profis proben. Kein Schauspieler, und auch kein professioneller Redner oder Sprecher, etwa sagt auch nur einen Satz auf der Bühne, ohne vorher probiert, etwas aus-probiert, zu haben. Wie läuft so ein Arbeitsprozess etwa bei einem Schauspieler ab?
 

Durch Proben klare Haltungen entwickeln

Der Schauspieler macht sich, unterstützt durch das gesamte Team rund um eine Inszenierung,  intensiv Gedanken,warum er etwas sagt und in welchem größeren Kontext das steht. Dazu klärt er für sich, was er dem Publikum vermitteln will. Dann probiert er immer wieder, wie er rüberbringt, was er als wichtig definiert hat. So entwickeln sich etwa immer klarere sprecherische Haltungen. Die geben wiederum innere Sicherheit: der Schauspieler weiß, wozu er auf der Bühne steht.
 

Lampenfieber als Wach-Macher sehen

Etwas verblüffend: Die meisten Schauspieler und Redner haben trotzdem vor fast jedem Auftritt Lampenfieber. Aber gehört für sie quasi dazu. Die meisten Profis würden ihr Lampenfieber auch gar nicht verlieren wollen. Es kann nämlich sehr aktivierend wirken, wach für die eigenen Stimmungen und Impulse machen und so auch die Konzentration für den Auftritt fördern.
 

Lernen, trotzdem zu reden

Sie können lernen, trotz des Lampenfiebers überzeugend zu reden! Voraussetzung dafür ist und bleibt, dass Sie mutig in die Redesituation hineingehen. So können Sie mit jeder neuen Wortmeldung erfahren, dass das Lampenfieber zwar da ist („Hallo, Lampenfieber!“) – das Reden aber trotzdem Freude machen kann.

 

Ausprobieren? Eine Probe ist ein guter Weg, um vorab Sicherheit durch Übung zu entwickeln. Dann haben Sie schon mehrmals die Erfahrung gemacht, dass Sie Ihre Rede gut meistern können und das Lampenfieber erwischt Sie nicht mehr kalt... 

Oder Sie begegnen Ihrem Lampenfieber bei einem Seminar...