7 AAAAAAAs für deinen gelungenen Auftritt

 
 
Foto: Alexander Andrews über Unsplash

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Ich habe eine absolute Lieblings-Übung, die ich mit vielen Kund*innen mache. Sie deckt viele wichtige Aspekte in der Rhetorik ab, lässt sich gut wiederholen und in die unterschiedlichsten Richtungen vertiefen.

Wenn du dir die verschiedenen Phasen dieser Übung bewusst hältst, hast du außerdem einen wunderbaren ‚Handwerkskoffer‘, mit dem du Auftritte vor Publikum gezielt meistern kannst.

Auftritts-Übung für mehr Klarheit & Fokus

Es ist eine Auftritts-Übung, durch die du die verschiedenen Phasen vor dem Rede-Beginn aktiv erlebst. Außerdem lernst du, sie zu trennen und Dinge nacheinander zu machen. Dadurch wird deine Wirkung auf Bühne, Podium oder im Meeting-Raum klarer und fokussierter.

Bei großer Nervosität vor dem Sprechen tendieren wir oftmals dazu, alle Dinge gleichzeitig machen zu wollen und uns selbst zu hetzen. Dadurch entsteht der innere wie äußere Eindruck von Nervosität oder der berühmte Tunnelblick.

Durch den Kopf rasen dann viele Gedanken: ‚Hilfe, die schauen mich alle an. Ich werde vergessen, was ich sagen will. Mist, das Herz rast. Das soll aufhören. Hoffentlich kein Blackout. Schnell anfangen: die Frau Schmid runzelt schon die Stirn.‘  

Das Resultat davon ist dann, dass du schon zu sprechen anfängst, wenn du noch gar nicht angekommen bist. Dass deine Atmung hochrutscht, du dich verhaspelst, sauer auf dich selbst wirst und am Ende so schnell wie möglich wieder aus dem Fokus der anderen raus sein willst.

Innerer Fahrplan, welche Schritte folgen

Meine Lieblings-Auftritts-Übung schafft da Abhilfe. Denn du hast dann einen inneren Fahrplan, welche Sachen du nacheinander machst. Dadurch entzerrt sich so ein Auftritt bis zum Redebeginn, mit schönen Nebeneffekten: du kommst wirklich an, du baust Kontakt zu deinen Zuhörer*innen auf und du bekommst genügend Luft zum Sprechen.

Du kannst diese Übung allein für dich machen. Ziel ist, dass du die unterschiedlichen Phasen eines Auftritts bewusst erlebst. Damit du immer weißt, wo du gerade im Ablauf bist, kannst du dir die 7 Schritte auf ein großes Blatt Papier schreiben. Klebe dieses dann gegenüber von deinem Auftritts-Ort an die Wand und schau ruhig drauf.

Wenn du es dann ein paarmal gemacht hast, wird es dir ganz logisch vorkommen, dass du die verschiedenen Phasen eines Auftritts voneinander trennst und wie leicht der Start beim Reden dann fällt.

Im Rhetorik Einzeltraining machen meine Kund*innen diese Übung mehrmals hintereinander und bekommen zu jeder Phase gezieltes Feedback. Dadurch wissen sie noch genauer, worauf sie sich das nächste Mal konzentrieren können und gehen jeden Schritt immer bewusster an. Und das lohnt sich beim nächsten Auftritt, bei der anstehenden Präsentation und in jeder Situation, in der die Augen aller auf ihnen ruhen.

Schauen wir uns diese 7 Schritte nacheinander an. Praktischerweise beginnt jeder Schritt mit einem ‘A’ und ist dadurch leicht zu erinnern. Und du wirst merken, dass diese 7 AAAAAAAs ganz logisch aufeinander aufbauen: für deinen gelungen Auftritt (noch ein Wort mit A, ha!) mit ‘Oh wow’-Effekt.

1.       Auftreten:

Um an den Platz zu kommen, von dem aus du reden wirst, musst du dich bewegen. Es sei denn natürlich, du sprichst nur sitzend am Meeting-Tisch. Aber selbst dann bringst du dich in eine körperliche Position, von der aus du gut starten kannst.

Sagen wir also, du kommst zur Tür rein. Oder betrittst vom Off aus die Bühne. Oder stehst von deinem Platz am Tisch auf, um dich nach vorne zu bewegen. Das sind alles Auftritts-Situationen. Von dem Moment an, in dem du auftrittst, liegt der Fokus deiner Zuschauer*innen auf dir. Sie nehmen wahr, wie du dich bewegst und unterbewusst sogar, wie du gestimmt bist.

Gestalte schon das Auftreten bewusst, ruhig und fokussiert: jetzt öffnest du die Tür. Jetzt wirfst du einen ersten Blick in den Raum. Jetzt schließt du die Tür hinter dir. Jetzt bewegst du dich zu dem Ort, an dem du gleich reden wirst. Jetzt stellst du dich hin…

2.       Ankommen:

Nach deinem mehr oder minder kurzen Gang durch den Raum kommst du an den Punkt, von dem aus du zu deinen Zuhörer*innen sprechen wirst. Du bleibst dort also stehen. Und dann nimmst du dir Zeit, um dort anzukommen.

Also bleib dort einen Moment ganz bewusst stehen. Nimm mit wachen Sinnen wahr, dass du dort stehst und angekommen bist. Kopf und Körper brauchen einen kurzen Moment, bis sie an diesem Ort ganz da sind. Gib ihn dir.

3.       Aufbauen:

Du bist aufgetreten und an deinem gewünschten Ort angekommen. Jetzt überprüfst du deine Haltung und bringst dich körperlich in eine Position, die dich beim Sprechen optimal unterstützt. Du stellst dich sicher und verwurzelt auf beide Beine hin und sorgst so für optimale Standfestigkeit. Dabei sind deine Beine etwa hüftbreit auseinander und du verteilst dein Gewicht gleichmäßig auf beide Füße. Dabei sollten die Knie locker sein: achte darauf, dass du sie nicht durchdrückst.

Dein Rücken ist gerade und aufgerichtet, die Arme und Hände sind entspannt. Entweder sie hängen locker neben deinem Körper herunter, oder du hältst sie leicht angewinkelt etwa auf Bauchhöhe. Stell dir vor, dass du um den Kopf eine goldene Krone trägst: dadurch richtest du sofort den Kopf noch etwas mehr auf.

Als letztes schaltest du noch deinen ‚inneren Scheinwerfer‘ an: arbeite mit der Vorstellung, dass du im oberen Brustbereich einen kleinen Scheinwerfer installiert hast und ihn jetzt auf deine Zuschauer*innen richtest. Dadurch hebt sich dein Brustbein und das wirkt sich positiv auf deine Präsenz aus.

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4.       Anschauen:

Aufgetreten, angekommen, aufgebaut: jetzt nimmst du wahr, wer denn da vor dir sitzt und dich erwartungsvoll anblickt. Vielleicht hast du davor schon in das ein oder andere Gesicht geschaut – das ist prima. Doch in den 3 vorangegangenen Schritten war der Haupt-Fokus auf dir. Spätestens jetzt stellst du deine Antennen jedoch in Richtung Publikum ein.  

Du baust Blickkontakt zu den Menschen im Raum auf. Je nach Größe der Gruppe kannst du allen 1x kurz in die Augen schauen, oder du schaust einige wenige direkt an und wanderst mit deinem Blick über die restlichen Gesichter. Blickkontakt schafft Beziehungen und du hast dann immer jemanden, zu dem oder der du deine Worte senden kannst. Je klarer die Kontaktaufnahme über den Blick ist, desto genauer kannst du auch abschätzen, wie viel stimmliche Kraft du brauchst, um die jeweilige Person zu erreichen.

Blickkontakt fällt oft als erstes weg, wenn wir nervös sind: also bei Sprechangst und Lampenfieber. Klar, wir wollen ja dann niemanden anschauen und im Kontakt verweilen – sondern so schnell wie möglich abhauen aus der als unangenehm empfundenen Situation.

Du kannst dir selbst jedoch innerlich signalisieren, dass die Situation ok ist, wenn du bewusst den Blickkontakt zu anderen Menschen suchst. Dann siehst du nämlich, dass dich jemand freundlich anlächelt, dass eine andere Person erwartungsvoll guckt und dir die Kollegin aufmunternd zunickt.

5.       Ausatmen:

Bevor du nun gleich zu sprechen anfängst – so schön angekommen, gut verwurzelt aufgebaut und in Blickkontakt mit anderen – kommt noch ein wichtiger Schritt. Du atmest aus. Ganz bewusst, Luft rauslassen.

Dadurch baust du überflüssige Spannung ab und erdest dich. Das ist ideal, wenn du noch immer nervös vor dem Sprechen bist. Denn gerade bei Nervosität geht die Tendenz dahin, dass Menschen zu viel einatmen – und das Ausatmen oft ganz vergessen.

Das Resultat ist dann jedoch, dass der Eindruck von Kurzatmigkeit entsteht, die Stimme rutscht hoch und du bleibst im ‚Kampf-oder-Flucht-Modus‘. Durch das Ausatmen kannst du dein Stresslevel senken.

Also: ausatmen.

Dann wieder einatmen, und …

6.       Anfangen

… genau, anfangen! Auf dem nächsten Ausatemluftstrom beginnst du zu sprechen.

Jetzt bist du nämlich fokussiert ‚ganz da‘. Du bist wirklich angekommen an deinem Ort und hast dir Zeit genommen, deinen Körper in die optimale Haltung zu bringen. Du hast Kontakt aufgebaut zu deinem Publikum und dein Stress-Level gesenkt.

Jetzt bist du bereit, deine Inhalte zu teilen. Zu überzeugen, zu informieren, mitzureißen und zu begeistern.

Im Rhetorik Einzeltraining sagen meine Klient*innen an dieser Stelle zu Übungszwecken übrigens etwas ganz Einfaches. So etwas wie:

‚Guten Tag. Mein Name ist Martina. Ich freue mich, heute hier zu sein.‘

Denn du musst natürlich nicht gleich einen ganzen Vortrag halten, um diese Schritte für dich durchzugehen. Trotzdem empfehle ich dir, an dieser Stelle der Übung etwas zu sagen, deine Stimme durch den Raum zu schicken. Dann nimmst du den Übergang vom nicht-sprachlichen Handeln zum aktiven Sprechen bewusst wahr.

Das ist mir übrigens ganz wichtig und ich betone es in meinen Trainings immer: auch die vorangegangenen Phasen des Auftretens, Ankommens, Aufbauens etc. sind wirkliche Handlungen.

Du tust die ganze Zeit schon etwas, ohne dass du noch ein Wort gesagt hast. Denn natürlich sind bei all diesen vorangegangen Schritten schon alle Augen auf dich gerichtet und es ist wichtig, was für einen Eindruck diese Phasen bei deinem Publikum erwecken. Deswegen: nimm dir Zeit. Niemand hetzt dich, wenn du auf der Bühne bist. Sende deine Botschaft in Ruhe, klar und deutlich.

Und dann kommt Schritt 7…

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7.       Abschließen

Im Prinzip gehört das ‚Abschließen‘ schon mehr zum ‚Abgang‘ nach dem Reden als zum ‚Auftritt‘ dazu. Trotzdem nehme ich es in diesen Blogartikel mit auf. Denn es kommt der Moment, in dem du zu Ende geredet hast. Auch, wenn du zu Übungszwecken nur einen einzigen Satz gesagt hast.

Sende auch den letzten Satz, das letzte Wort an dein Publikum. Geh dabei mit der Stimme deutlich nach unten: mache einen Punkt. Dadurch schließt du dein Reden für alle klar ab. Und dann bleib noch einen Moment in der Beziehung zu deinen Zuhörer*innen und an deinem Ort stehen. Lass deine Worte nachklingen. Und danach kannst du abgehen.

 

Vielleicht kommen dir all diese AAAAAAAs erst einmal sehr ausführlich vor. Diese Übung dehnt Momente aus. Einfach, damit du wahrnimmst, was da so nacheinander passiert. Und dass sich deine Zeit auf der Bühne und im vollen Fokus der Aufmerksamkeit nicht anfühlt wie ein einziger dicker ‚Zeitklumpen‘, sondern wie leicht zu bewältigende Momente nacheinander.

Jeder Moment vor Publikum hat seine eigene Zeit. Es sind kleine Schritte, die du hintereinander gehen kannst und die dir eine Struktur geben: sodass du dich sicher und souverän fühlst. Und genau dadurch vermittelst du den ‘Oh wow’-Effekt. Auftritt gelungen.

 
 
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Hallo, ich bin Beatrix Schwarzbach. Ich glaube daran, dass wir mit unseren Worten die Welt verändern können: wenn wir uns sprechend Gehör verschaffen. Dafür mache ich mich als Rhetorik Trainerin stark. Für eine wertschätzende, überzeugende und emanzipatorische Rhetorik.

Rhetorik Training Berlin strichlierte Linie.png
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