2 einfache Sprech-Tipps, die deine Kompetenz hörbar machen

 
 
Photo by Meghan Duthu on Unsplash

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Es gibt 2 sprecherische Mittel, die für deinen Hör-Eindruck von Kompetenz absolut entscheidend sind. Also dafür, wieviel Kompetenz dein Gegenüber dir nur durch die Art und Weise deines Sprechens zuschreibt.

Gepaart mit tätsächlicher inhaltlicher Kompetenz sind diese beiden sprecherischen Gestaltungsmittel unschlagbar: sie verankern deine Worte bei den Zuhörer*innen und stellen sicher, dass dir alle bis zum Ende zuhören. Das Tape vom Artikel-Foto kannst du dir dann getrost sparen!

Auf der anderen Seite: wenn diese beiden sprecherischen Gestaltungsmittel vollkommen fehlen, dann kannst du inhaltlich kompetent sein, wie du willst. Du wirst einfach nicht gehört werden und dein Sprechen wird nicht die Kraft entfalten, die es haben könnte. Schade um all die Kompetenz, die du sicherlich mitbringst.


Wie du beim Sprechen sofort kompetenter wirkst

Diese beiden wunderwirkenden sprecherischen Mittel, mit denen du den Eindruck deiner Kompetenz erhöhst, sind: Stimmsenkungen und Pausen.

Du machst eine Stimmsenkung, wenn du am Ende eines Satzes oder einer Aussage mit deiner Stimme deutlich nach unten gehst. Das passiert oft ganz automatisch, wenn du eine Aussage im wahrsten Sinne des Wortes ‘auf den Punkt’ bringst.

Wenn du beim Sprechen Pausen machst, dann gibst du deinen Zuhörer*innen die Gelegenheit, dir wirklich zu folgen. Oft sprichst du gerade bei Aufregung nämlich schneller, als die anderen denken können.

Durch eine Pause beim Sprechen kommen die anderen mit - und du wirkst kompetent und außerdem so, als würdest du dich nicht hetzen lassen. Also ruhig und gelassen. Ruhe und Gelassenheit werden oft mit Kompetenz assoziiert.

Wenn du für kompetent gehalten wirst, wirst du weniger unterbrochen.

Wenn du Pausen machst und mit der Stimme am Ende einer Aussage deutlich nach unten gehst, wirst du garantiert auch nicht häufiger unterbrochen. Viele Frauen trainieren sich das Schnell- und immer-weiter-Reden nämlich geradezu an, in der Hoffnung, sie würden dann weniger oft unterbrochen werden.

Oft ist nur leider gerade das Gegenteil der Fall. Eine zu schnelle Sprechweise ohne Punkt und Komma ermüdet die Zuhörenden sehr bald und führt dazu, dass sie vermehrt Unterbrechungs-Versuche starten.

Gerade für Frauen sind Stimmsenkungen und Pausen beim Sprechen entscheidend.

In diesem Artikel gebe ich dir 2 einfache Sprech-Tipps, die deine Kompetenz wirklich hörbar machen. Nach den einleitenden Sätzen oben hast du bestimmt schon eine Ahnung, um welche beiden Kompetenz-steigernden Tipps es sich genau handelt. Nämlich:  

1. Geh mit deiner Stimme am Ende eines Satzes runter. 

2. Mach Pausen beim Sprechen. 

 

Wenn du jetzt denkst: ‘Das ist ja einfach’, kannst du an dieser Stelle auch zu Lesen aufhören. Gratuliere! Damit gehörst du zu einer absoluten Minderheit der Sprecher*innen.

Wenn du dabeibleibst, hast du wahrscheinlich selbst schon erfahren, wie schwierig es manchmal sein kann, Pausen zu machen. Oder wie herausfordernd es ist, bei Nervosität eine Aussage sicher in den Raum zu stellen. Damit bist du nicht allein.

Für die allermeisten Menschen sind gerade Pausen beim Sprechen und das Abschließen von Sätzen nicht so einfach. Deswegen beschäftigen wir uns in der Rhetorik und im Sprechtraining ja so gerne damit. Denn gerade bei Aufregung oder in einem hierarchischen Umfeld, in dem es gefühlt ‘um alles’ geht, fallen Pausen und sicher in den Raum gestellte Aussagen besonders schnell weg.

Ohne Pausen und klare Aussagen kein kompetenter Eindruck.

Doch damit schwindet auch oft der Eindruck von Kompetenz, den du so gerne vermitteln würdest. Warum sind diese 2 sprecherischen Mittel, Pausen und Stimmsenkungen, gerade für Frauen absolut entscheidend? 

Deine Pausen und deine Sprechmelodie beeinflussen, wie gut du von deinen Zuhörer*innen verstanden wirst und wie überzeugend du wirkst. Gleichzeitig haben diese sprecherischen Mittel auch einen inneren Effekt auf dich selbst.

Vielleicht fragst du dich: ‘Warum soll ich darauf achten, WIE ich spreche, wenn doch die Inhalte entscheidend sind?’

Ja, Inhalte sind wichtig. Gerade bei informativen Reden. Wenn es darum geht, Informationen strukturiert an deine Zuhörer*innen weiterzugeben. 

Aber WIE du etwas sagst, ist entscheidend für die Sinnerfassung und für den Gesamt-Eindruck, der von deinem Reden bleibt. Deine Zuhörer*innen entscheiden nicht nur auf der inhaltlichen Ebene, für wie kompetent sie dich halten. Sie beurteilen auch die Art und Weise, wie die jeweiligen Informationen serviert werden: also deine Ruhe beim Sprechen und die Zeit, die du dir nimmst. Deine Bestimmtheit und wie du sie durch deine Themen führst.

Beim Lesen helfen uns Satzzeichen, um den Sinn des Geschriebenen zu erfassen. Komma, Fragezeichen, Punkt – sie alle versorgen uns mit wichtigen Informationen und verbinden die Inhalte miteinander. Beim Lesen sehen wir, wo ein Gedanke aufhört und wo ein neuer beginnt.

Zuhörer*innen brauchen hingegen klare stimmliche Signale, um sich zu orientieren. Wenn du zu ihnen sprichst, gibst du ihnen diese Hinweise durch deine Sprechmelodie und durch die Pausensetzung. Beim Zuhören müssen wir hören, wo ein Gedanke endet und ein neuer Abschnitt beginnt. 

So wirkst du kompetent: bring deine Aussage 'auf den Punkt'. 

Deswegen ist es wichtig, dass du am Ende eines Satzes und eines Gedankens deine Stimme senkst. Am Theater wird das ‚auf den Punkt sprechen‘ genannt.

Mach einen wirklichen Punkt am Ende einer Aussage.
Geh mit der Stimme deutlich hörbar runter. 

Das Gegenteil einer Stimmsenkung ist ein Hochschluss. Wenn du eine Frage stellst, geht deine Stimme nach oben: in diesem Fall ist das normal. Mit dem nach-oben-Gehen der Stimme wird für den Gesprächspartner klar, dass du eine Frage stellst.

Aufgrund deiner Sprechmelodie bekommt deine Zuhörer*innen wichtige Zusatzinformationen. Über die Melodieführung nehmen wir wahr, ob es sich um eine Frage oder eine Aussage handelt.

Vielen Frauen passiert es jedoch beim Sprechen, dass sie am Ende eines Aussage-Satzes mit der Stimme nach oben gehen. Auch, wenn sie sich sicher sind, dass sie das Richtige sagen. Wenn sie ein Statement machen wollen. Wenn es ihnen darum geht, Informationen zu vermitteln - und darum, Kompetenz auszustrahlen. 

Der Hörer hört dann keine starke Aussage. Sondern eine Frage. Eine Unschlüssigkeit, ein Zögern, Zaudern, Nachhaken-Wollen. 

Beobachte dich, wenn du mit anderen Menschen kommunizierst. 
Eine Aussage wie eine Frage klingen zu lassen ist ein besonders häufiger Fallstrick weiblichen Sprechens. Wenn dir das passiert, ändere es. Damit tust du dir einen großen Gefallen. 

Denn bei deinen Zuhörer*innen stiftet es Verwirrung, wenn der Hör-Eindruck entsteht, dass du unsicher über die Relevanz deiner Aussage bist. Dass du 'noch mal nachfragst'.

Und schon schreiben sie dir weniger Kompetenz zu, als du hast. 

Das wäre doch total schade, oder? 

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Hochschlüsse beim Sprechen sind oft jahrelang antrainiert und wirken Kompetenz-mindernd.

Dieses sprecherische Verhalten ist oft unbewusst und wurde jahrzehntelang eingeübt. Viele Frauen vermeiden dadurch, ihre Aussagen wirklich 'in den Raum zu stellen'.

Wenn eine Aussage im Frage-Modus daher kommt, wird sie sprachlich zurückgezogen. Die Zuhörer*innen hören eben eine Frage - und keine Aussage. Dadurch werden sie unsicher, wie deine Aussage aufzunehmen ist. 

Bei vielen Frauen entsteht dieser Mechanismus aus Angst, als zu stark rüberzukommen. Verständlich: viele von uns haben die Erfahrung gemacht oder bei anderen Frauen beobachtet, dass es mitunter abgestraft wird, wenn sich eine Frau ihrer Sache und Kompetenz zu sicher ist. 

Mach dich mit deinem Sprechen groß.

Doch dein Licht sprecherisch unter den Scheffel zu stellen, ist nicht der richtige Weg. 

Sicher: wenn du eine Aussage als Frage formulierst, bietet das auf der einen Seite eine geringere Angriffsfläche. Allerdings wird dein Statement dann auch nicht in seiner ganzen Kraft wahrgenommen. 

Achte darauf, deine Stimme am Ende eines Satzes bewusst zu senken. Ein wirkliches Statement zu machen. Das schafft einen Raum, in dem deine Aussage wirken kann.  Und so wirst du eindeutig und klar von deinen Hörer*innen verstanden. 

Halte es aus, auch wenn es sich erst mal seltsam anfühlt.  Deine Gesprächspartner*innen schätzen klare und transparente Kommunikation. Und deutliche sprecherische Zeichen. 

Verständliches Sprechen und der Eindruck von Kompetenz hängen direkt mit der Häufigkeit deiner Stimmsenkungen zusammen. Also: sprich auf den Punkt hin. Und lass ihn wirken. Das macht dich beim Sprechen groß. 

Pausen beim Sprechen sind wichtig für Verständlichkeit und den Eindruck von Kompetenz.

Ebenso wichtig sind Pausen für das verständliche Sprechen: du hältst kurz in deinem Sprechfluss an. Wichtige Aussagen können durch Pausen unterstrichen werden. Mit ihnen gliederst du deinen Redebeitrag in unterschiedliche Abschnitte.

Indem du Pausen machst und darauf achtest, dass deine Zuhörer*innen mitkommen, vermittelst du ihnen auch: ‘Ich weiß, wo es langgeht.’ Und dieses Sprech-Verhalten lässt sofort den Eindruck von Kompetenz entstehen.

Eine Pause hat also einen klar wahrnehmbaren Effekt auf deine Zuhörer*innen. Doch sie wirken sich auch positiv bei dir selbst aus: Pausen beim Sprechen geben dir Zeit, um Luft zu holen und einen neuen Sprechabschnitt zu beginnen. Deine Stimme klingt klarer und kraftvoller. Du hechelst nicht mehr durch deine Ausführungen, sondern kommst immer wieder leicht zu neuem Atem.

Hab Mut zur Pause!
 

Auch wenn dir eine Pause endlos lang vorkommt, wird sie von deinen Zuhörer*innen nicht so empfunden. Sie sind sogar dankbar dafür, selbst kurz durchatmen zu können und das Gehörte sacken zu lassen. Sie folgen also mit ihrem Durchatmen deinem Durchatmen: die ganze Gruppe ist gleich viel entspannter und aufnahmebereiter.
 

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Warum Frauen beim Sprechen Pausen vermeiden

Pausen zu machen, fällt Frauen beim Sprechen oft schwer. Schließlich sitzt bei vielen von uns die Erfahrung tief, während des Redens leicht unterbrochen zu werden. 

Als Gegenreaktion haben es sich viele Frauen angewöhnt, besonders schnell und ‚ohne Punkt und Komma‘ zu sprechen. Diese Tendenz wird oft durch Lampenfieber und Nervosität noch verstärkt.

Das schnelle Reden geht nur leider oft nach hinten los. Die Sprechende wirkt dadurch unsicher und das kann den Eindruck mangelnder Kompetenz auslösen. Vielleicht hast du schon mal beobachtet, dass die mächtigste Person im Raum oft die ist, die den entspanntesten Körperausdruck zeigt. Davon kannst du dir was abgucken: achte darauf, wo und wie du dich beim Sprechen etwas entspannen kannst. Wie du eine Pause aushalten kannst. Du wirst dich sofort ruhiger fühlen und als kompetenter wahrgenommen werden.

Stimmsenkungen und Pausen wirken nach innen: du fühlst dich auch sofort kompetenter.

Klare Pausen zwischen den Sätzen und deutliche Stimmsenkungen vermitteln Sicherheit. Die wirkt nicht nur nach außen, sondern nach innen.  Beim Sprechen beeinflusst jeder einzelne Teil das Ganze. Es handelt sich um eine lebendige Wechselwirkung.

Sprecherische Signale von Ruhe und Sicherheit haben einen großen inneren Einfluss auf Gefühle und Gedanken – und letztlich auch auf das Selbstbild. So kommunizierst du sofort kraftvoller

Probier es aus: Du darfst dir beim Sprechen Zeit lassen, du darfst Pausen machen – und dir mit deinem Sprechen Raum nehmen.  

Dann wirst du von deinen Zuhörern als sicher, klar und kompetent wahrgenommen. 

Pause. Und Punkt. 

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im Oktober 2017 erstmals online gestellt und im April 2019 vollständig überarbeitet.

 
 
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Hallo, ich bin Beatrix Schwarzbach. Ich glaube daran, dass wir mit unseren Worten die Welt verändern können: wenn wir uns sprechend Gehör verschaffen. Dafür mache ich mich als Rhetorik Trainerin stark. Für eine wertschätzende, überzeugende und emanzipatorische Rhetorik.

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