Ohne diese Wörter kommunizierst du kraftvoller

 
 
Photo by Ben White on Unsplash

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Es passiert. Auch mir. Besonders, wenn ich niemandem ‚auf die Füße treten‘ will. In schwierigen Gesprächen. Wenn ich unsicher werde. Wenn etwas in mir mich zurückhält und ich mich nicht so zeigen kann, wie ich sein will.

Dann fange ich an, seltsame Wörter zu benutzen. Ich nenne es auch: auf der verbalenEbene rumeiern. Entschuldigung, äh, ich will eigentlich nur sagen, dass … ich weiß auch nicht so recht. Aber es ist sozusagen so, als ob …

Im Nachhinein frage ich mich dann, warum das passiert ist. Warum benutze ich eine Sprache, die mir nicht nützt? Warum lasse ich zu, dass mich etwas in meinem Sprechen klein macht?
 

Wann benutze ich welche Wörter und Worte - und warum? 

Mit der Zeit habe ich meine Wahrnehmung dafür geschärft, für welche Wörter und Wendungen ich ‚anfällig‘ bin. Für manche mehr als für andere. Ich bin aufmerksam geworden, in welchen Situationen ich sie benutze und was ich dabei innerlich wahrnehme.

Dann habe ich begonnen, sie wegzulassen. Das war ein Prozess, der noch immer andauert.

Mit steigender Aufmerksamkeit auf mein eigenes Sprechen habe ich angefangen, diese Wörter und Worte nicht mehr nur bei mir selbst wahrzunehmen. Immer öfter habe ich sie nun in Gesprächen mit anderen Frauen herausgehört. Oder in fremden Unterhaltungen mitgehört. Auch in Reden und Präsentationen höre ich sie regelmäßig. 
 

Was diese Wörter mit dem Sprechen von Frauen machen

Es war, als würden meine Ohren aufgehen. Die 'kleinen Wörter' im Sprechen von Frauen waren plötzlich überall: Am Beginn einer Rede. Während einleitender Sätze und in Selbst-Erklärungen. Wenn eine Frau ihre Leistungen herausstellen wollte, aber sich nicht so ganz traute. Oder wenn es darum ging, die Lorbeeren für ein Projekt zu kassieren. 

Paradoxerweise tauchen diese Wörter und Worte immer dann besonders gern auf, wenn Frauen versuchen, ihre Haltungen zum Ausdruck zu bringen. Wenn es wichtig ist, etwas auf den Punkt zu bringen. 

Sie schleichen sich in jedwede Art von kommunikativen Äußerungen ein. Sätze von starken und selbstbewussten Frauen klingen dann wie ein innerer Kampf. Ideen werden mitgeteilt, und im gleichen Atemzug klein geredet.

Oder eine Aussage enthält so viele sprachliche Weichmacher, dass die Botschaft untergeht. Wiederholt begegne ich dem Versuch, etwas zu sagen und gleichzeitig etwas zurückzuhalten.
 

Warum machen sich Frauen im Sprechen klein?

Wie kann das sein? Ich bin überzeugt: Es ist die Folge eines großen inneren Drucks, den viele von uns spüren. Auf der einen Seite möchten wir mitteilen, worauf es uns wirklich ankommt. Aber die Angst ist groß, dabei zu herrisch, zu rechthaberisch, zu stark, zu dominant und zu aggressiv oder arrogant rüberzukommen. 

Dieser kämpferische Artikel auf EditionF von Yasemin Akdemir thematisiert den inneren Zwiespalt von Frauen, gefangen zwischen der Angst vor Arroganz und dem Ringen um Authentizität, sehr gut: Wirke ich arrogant? 

Oft wirken auch noch Bilder und Ansprüche nach, wie Frauen eigentlich kommunizieren oder sein sollten: nett, ruhig, flexibel und auf Ausgleich bedacht.

Das ist eine innere Zerreißprobe, die sich sprachlich niederschlägt. Denn Unvereinbares soll unter einen Hut gebracht werden. Als Resultat dieses Versuchs schleichen sich verschiedene ‚kleine‘ Wörter in die Kommunikation ein. Sie haben jedoch einen großen Effekt – und keinen guten.
 

Wörter legen offen, was wir verbergen wollen

Mit diesen Wörtern machen wir unsere Botschaft und letztlich uns selbst klein. Sie legen das offen, was wir am meisten verbergen wollen: unsere Unsicherheiten und Selbst-Zweifel. Das ist umso gefährlicher, je weniger wir uns dessen bewusst sind.

Linguisten nennen diese kleinen Einschübe ‚Hedges‘. Forschungen haben ergeben, dass Menschen mit geringerer Macht und einem niedrigeren Status mehr Hedges verwenden. Generell benutzen durch alle Bildungs- und sozialen Schichten hinweg Frauen mehr Hedges als Männer.
 

Um welche Wörter und Worte es konkret geht: 

Schauen wir uns diese Muster und Wendungen an – und lassen wir nicht mehr zu, dass sie unsere Kommunikation aushöhlen. Hier sind sie:

1.    Irgendwie/ ziemlich/ sozusagen:

„Ich denke irgendwie, dass das so nicht passt.“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass…“
„Das ist sozusagen ein XYZ.“

Diese Wörter fließen oft in Sätze ein, wenn wir in unseren Aussagen abmildern wollen. Oder wenn etwas uns zurückhält, unsere Ideen mit großer Sicherheit auszusprechen.
 

2.    Eigentlich:

"Ich habe eigentlich eine Frage.“
„Ich sehe das eigentlich anders.“

Das Wort ‚eigentlich‘ lässt unsere Aussagen so klingen, als wären wir überrascht oder als würden die Dinge eigentlich anders liegen. Es führt dazu, dass eine Aussage ein Stück weit zurückgezogen wird.

3.    Nur:

„Ich frage mich nur, ob…“
„Ich wollte nur mal kurz sagen, dass…“

‚Nur‘ taucht oft auf, wenn wir uns seltsam fühlen mit dem, was wir sagen. Gleichzeitig wollen wir vermitteln, dass wir keine aggressiven Absichten hegen. Doch dieses kleine Wort erweckt den Eindruck, als müssten wir uns rechtfertigen oder entschuldigen.

4.    Entschuldigung, aber…

„Entschuldigung, dass ich frage, aber…“
„Verzeihen Sie die Störung, aber…“
„Entschuldige, aber ich sehe das so…“

Natürlich gibt es hin und wieder auch einen guten Grund, sich zu entschuldigen. Frauen benutzen aber Entschuldigungen oft, wenn sie einfach nur eine Frage stellen wollen. Oder aus Angst, zu viel Platz und Aufmerksamkeit einzunehmen.

Stell die Frage. Sag den Satz.
 

5.    Ein bisschen/ ein kleines bisschen:

„Ich möchte euch heute ein kleines bisschen was über XYZ erzählen…“
„Ich bin ein bisschen schockiert, dass…“

Diese Worte machen das, was wir zu sagen haben, klein. Natürlich ist es ist großartig, beim Reden auf den Punkt zu kommen und dafür nicht viel Zeit zu brauchen. Aber wir können das auch machen, ohne vorher anzukündigen, ‚nur ein bisschen Zeit‘ zu brauchen.

Und unsere Gefühle und Wahrnehmungen dürfen da sein, ohne verkleinert zu werden.
 

Weißt du, was du sagst? 

Die meisten Frauen haben eine Ahnung, zu welchen Wendungen sie neigen. Als ich in einem Seminar eine Übung dazu gemacht habe, konnten sich die Teilnehmerinnen aus einem Zettelhaufen sofort ihre Wörter rausziehen. Auch du kannst leicht herausfinden, zu welchen Wörtern und Worten du bevorzugt greifst.

Hör dir selbst genau zu in den nächsten Tagen und in unterschiedlichen Kommunikationssituationen: bei der Diskussion mit deinem Freund, der Verhandlung mit deinem Chef oder im Kundengespräch.

Wenn du weißt, welche Wörter und Wendungen zu benutzt, kannst du sie bewusst weglassen. So kommunizierst du mit mehr Kraft und Klarheit.

Das geht nicht komplett von einem Tag auf den anderen. Viele Wörter und wie wir sie benutzen, sind tief mit der Art unseres Sprechens und letztlich unserem Selbstbild verbunden. Hab Geduld mit dir. 

Wörter, Worte und sprachliche Wendungen haben eine große Macht. Du kannst sie dir zunutze machen. Du kannst entscheiden, welche du verwendest – und welche du weglässt.

Wenn du zunehmend eine aufmerksame Wahrnehmung für dein Sprechen entwickelst, wird es einfacher. Diese Art der Übung lohnt sich: für dich, für mich, für jede von uns. Wort für Wort.

 
Sofort mehr Wirkung beim Sprechen. Ohne diese Wörter kommunizierst du kraftvoller..png

Willst du kraftvoll kommunizieren? 

Wünschst du dir zielgerichtete Unterstützung, um dein Sprechen, deinen Auftritt und deine Kommunikation kraftvoller zu gestalten?

Ich biete individuelles Rhetorik Coaching für Frauen an. Dadurch machst du mit Leichtigkeit einen Sprung nach vorne bei deinen Themen, überzeugst und wirst mit deinem Wissen und Anliegen gehört. Ohne Wenn und Aber, Entschuldigungen und sprachlichen Kleinkram. 

Beratung rund um frauentypisches Sprechen gibt es natürlich auch! 

Damit wirklich ankommt, was du zu sagen hast. 

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Oder kontaktiere mich direkt für einen Termin! Ich freue mich auf dich! 

 

 

Worte oder Wörter: eine kleine Nachbemerkung

An dieser Stelle ein Nachtrag zu den Begrifflichkeiten 'Wörter' und 'Worte' selbst. Eine Leserin merkte kritisch an, dass es statt 'Wörter' vielmehr 'Worte' heißen sollte. Ich habe mich entschieden, im Artikel meist von 'Wörtern' zu reden, da es wie im Falle der Beispiele 'irgendwie/ ziemlich/ sozusagen/ eigentlich/ nur' tatsächlich darum geht, einzelne Wörter wegzulassen.

Im Fall von 'Entschuldigung, aber' und 'ein kleines bisschen' können wir von 'Worten' sprechen, da es sich hierbei um größere sprachliche Einheiten und Wendungen handelt. Hier hat die deutsche Sprache durchaus ihre Feinheiten, die ich keinesfalls ignorieren möchte. In diesem Artikel auf Spiegel Online wird näher auf die Unterschiede eingegangen: Worte/ Wörter

Ich habe leichte Anpassungen im Text vorgenommen, um auch den Begriff 'Worte' zu seinem Recht kommen zu lassen. Ob es sich nun um Worte oder Wörter handelt: wichtig ist, dass du den sprachlichen Einheiten und Wendungen auf die Schliche kommst, die dir die kommunikative Kraft rauben. Viel Spaß dabei!