4 Tipps, wie du verständlich sprichst und gehört wirst

 
 
Foto: Clem Onojeghuo, via Unsplash

Foto: Clem Onojeghuo, via Unsplash

 

Du hast eine Menge auf dem Kasten und kennst dich in deinem Fach-Bereich gut aus. Wunderbar. Jetzt sollen andere Leute an deiner Expertise und deinem Erfahrungswissen teilhaben. Du willst mit deinen Ideen und Vorschlägen in Gesprächen und im Berufsleben schließlich ankommen. Dazu musst du gehört und verstanden werden.
 

Wenn dein Sprechen einfach nicht ankommt…

Doch ‚einfach drauf los sprechen‘ bringt dir oft nicht den gewünschten Erfolg. Entweder verzettelst du dich beim Reden und merkst, dass deine Zuhörer in der Mitte deiner Ausführungen gedanklich aussteigen.

Oder deine Gesprächspartner gehen gar nicht auf das ein, was du gesagt hast, sondern antworten auf einer ganz anderen Ebene. "Jetzt werden Sie mal nicht so emotional, Frau Kollegin," schallt es da sonor über den Meeting-Tisch.

Oder du wirst beim Sprechen schneller unterbrochen, als du ‚ich habe da eine Idee‘ sagen kannst. Das alles ist zum aus-der-Haut-fahren und tut weh. 5 Gründe, warum du beim Sprechen unterbrochen wirst, habe ich übrigens letztens beschrieben. Natürlich auch, was du konkret verändern kannst, damit der Unterbrechende keine Chance hat.
 

Wenn du verständlich sprichst, kannst du gestalten.

In diesem Artikel geht es nun darum, wie du einen Rede- oder Gesprächsbeitrag aufbauen und strukturieren kannst, sodass er ankommt. Wie du dich mit deinen Worten durchsetzt und deine Themen bei deinen Zuhörern erfolgreich verankerst.

Die wahrsten Fakten und schlagkräftigsten Argumente arbeiten nur für dich, wenn deine Zuhörer sie verstehen und behalten können. Nur dann kannst du Entwicklungen anstoßen, deine Themen im Gespräch halten und mitgestalten.

Deswegen gebe ich dir 4 Rhetorik Tipps, wie du verständlich sprichst und gehört wirst. Los geht’s.
 

1.       Drück dich einfach und prägnant aus. 
 

 Einfachheit ist eine rhetorische Stärke. Damit ist nicht anspruchslos, simpel oder nichtssagend gemeint. Du musst dein Wissen und deine Erfahrung beim Sprechen vor anderen nicht verbergen oder tiefstapeln. Das Ziel ist aber, dass alle Zuhörer folgen können und wirklich verstehen, worum es dir geht.

Besonders für öffentliche Sprechsituationen vor fachlichen Laien lohnt sich dieses Gedankenspiel: wie würdest du es einem etwa 6-jährigen Kind erklären? Natürlich weder von oben herab, noch in Kindersprache. Sondern so, dass ein interessiertes, schlaues und aufgewecktes Kind danach ganz genau weiß, womit du dich beschäftigst und um welchen Sachverhalt es dir geht.

Beim Sprechen erreichst du Einfachheit folgendermaßen:

Kurze Sätze bilden und aktive Sprache verwenden.

Bilde möglichst kurze Sätze und vermeide Schachtelsätze. Verwende mehr Verben, statt Nomen.
Statt: Unsere Handlungen, die zu einer Generierung eines höheren Auftragsvolumens geführt haben, hatten ein hohes Maß an Effektivität.
Lieber so: Unser Handeln war sehr effektiv. Dadurch konnten wir mehr Aufträge generieren.

Fachbegriffe gehören erklärt.

Erkläre Fach- und Fremdwörter, bevor du sie verwendest. Mach dir bewusst, dass deine Zuhörer möglicherweise nicht das gleiche Fachwissen haben wie du oder mit komplett anderen Begriffen arbeiten.

Nur das Wesentliche.

Beschränke dich auf das wirklich Wesentliche. Vermeide Abschweifungen.
 

2.       Gliedere deine Inhalte. 
 

Sprich so strukturiert, so klar gegliedert wie möglich. So wirst du gut verstanden, weil sich deine Zuhörer orientieren können. Alle folgen dir in deinen Ausführungen bis zum Schluss.  

Gliederung zu Beginn.

Stell deinem Redebeitrag eine grobe Gliederung voran. Durch einen kurzen Überblick zu Beginn machst du klar, worum es im Folgenden gehen wird. Das kann ganz einfach sein: „Ich spreche heute über XYZ. Besonders geht es dabei um 3 Punkte.“

Und vermeide Einleitungen, die von deinem eigentlichen Thema ablenken. Zum Beispiel diese 5 Sätze, die du am Beginn deiner Rede oder Präsentation nicht sagen solltest

Schlüssige Gliederung innerhalb der Gedankengänge.

Alle Gedankengänge sollten klar gegliedert sein. Wenn du argumentierst, geh immer vom Grundsätzlichen aus und stell erst danach die Einzelprobleme vor. Besonders gut verständlich sind deutliche Reihungen: 1., 2., 3., 4.

Gib am Ende eine kurze Zusammenfassung. 

Schließe deinen Redebeitrag mit einer kurzen Zusammenfassung ab. Hebe dabei das Wesentliche noch einmal hervor. Danach schließe deinen Input deutlich ab.
 

3.       Wecke Interesse und motiviere. 
 

Was motiviert deine Zuhörer, sich mit deinen Themen zu beschäftigen? Wenn du sie da abholst, wo sie gerade stehen. Und wenn du ihnen sagst, warum sie dir zuhören sollten.  Was deine Anliegen mit ihnen zu tun haben. Also alles, was ihre Aufmerksamkeit weckt und erhält.

Dafür stehen dir besonders die folgenden 3 Stilmittel zur Verfügung. Sie machen dein Sprechen sofort lebendiger und erhöhen die Bereitschaft, dir zuzuhören.

Geh auf deine Zuhörer ein.

Du erreichst deine Zuhörer, wenn du sie in dein Sprechen einbeziehst. Und zwar indem du auf ihre Probleme, Gefühle und ihre aktuelle Situation eingehst.

Zum Beispiel mit Beschreibungen aus ihrem eigenen Umfeld. So, dass deine Zuhörer denken: ‚Ja, das erkenne ich wieder.‘ Oder: ‚Genau so ist es.‘

Ich nenne es gerne: ein inneres Kopfnicken abholen.

Durch konkrete Beispiele & Vergleiche entstehen Bilder. 

Durch Beispiele und Vergleiche wird dein Sprechen anschaulich. Doch sie sollten genauso gut vorbereitet werden, wie deine anderen Inhalte. Hinkende Vergleiche schaden deiner Glaubwürdigkeit mehr, als dass sie dir nützen. Wenn sie jedoch passen, machen sie dein Sprechen sofort konkreter. In den Köpfen deiner Zuhörer entstehen Bilder und deine Informationen fangen zu leben an.

Gestalte dein Sprechen abwechslungsreich.

Besonders wichtig ist auch die sprachliche Gestaltung deiner Inhalte. Rhetorische Fragen oder Ausrufe machen dein Sprechen abwechslungsreich und lebendig. Sehr gut funktioniert direkte Rede beim Sprechen vor anderen Leuten.
Also nicht: ‚Herr Meier hat gesagt, dass unsere Prozesse unbedingt überarbeitet werden müssen.‘ Das ist indirekt und nicht sehr aktivierend.

Stell stattdessen einen direkten Bezug her und lass Herrn Meier ‚auftreten‘. Wenn er mit im Raum ist, dann fühlt er sich sofort angesprochen und mit einbezogen. ‚Herr Meier, Sie haben gesagt: ‚Wir müssen unsere Prozesse endlich überarbeiten.‘‘

Inneres Kopfnicken abholen, jawohl. Beim Sprechen ist direkte Rede der König.
 

4.       Achte auf deine Sprechweise. 
 

Selbst wenn du alle 3 vorhergehenden Tipps bezüglich Einfachheit, Gliederung und Interesse befolgst – wenn du nicht verständlich sprichst, wirst du nicht verstanden. Mit den folgenden 3 Hinweisen zur Sprechweise schonst du deine Stimme und sorgst dafür, dass dein Sprechen deine Inhalte wirkungsvoll unterstützt.

Pausen und Stimmsenkungen.

Wichtig sind: Pausen und Stimmsenkungen, Pausen und Stimmsenkungen, Pausen und Stimmsenkungen. Ich kann es nicht oft genug sagen. Pausen und Stimmsenkungen machen deine Kompetenz sofort hörbar. Geh mit der Stimme am Ende eines Satzes runter. Und mach deutliche Pausen zwischen den einzelnen Gedanken.

Sprich im Brustton der Überzeugung.

Vor allem Frauen rutschen mit ihrer Stimme bei engagiertem und lautem Sprechen hoch. Sie sprechen dann nicht mehr in ihrem Hauptsprechtonbereich, sondern in erhöhter Stimmlage. Das wirkt sich negativ auf die Verständnisfähigkeit deiner Zuhörer aus. Und es schadet deiner Stimme auf Dauer. Sprich also im ‚Brustton der Überzeugung‘. Dann sitzt deine Stimme richtig.

Deutlich artikulieren, statt laut sprechen. 

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Setze auf deutliche Artikulation, statt auf Lautstärke. Erstens, weil es deine Stimme schont und sie dann nicht nach oben rutscht. Und zweitens, weil eine deutliche Artikulation dich sofort sicher und überzeugend wirken lässt.

Artikulieren bedeutet, die verschiedenen Laute und Lautverbindungen beim Sprechen deutlich voneinander abzugrenzen. Also das Gegenteil von nuscheln, wobei alle Laute ineinander übergehen.

Übrigens kannst du natürlich auch deutlich artikulieren, wenn du im Dialekt sprichst. Dialektale Anklänge gehören zu deiner sprecherischen Identität: deutliche Artikulation lässt sie in aller Ohren klingen.

 

Viel Input – und jetzt?

Das waren 4 Tipps, wie du verständlich sprechen kannst in Bezug auf Einfachheit, Gliederung, Interesse und Sprechweise. Jeden Tipp habe ich in 3 Unter-Punkte unterteilt. Viel Input. Was du jetzt nicht tun solltest: alles gleichzeitig umsetzen.

Dann dreht sich dir wahrscheinlich der Kopf – und in dem Zustand sprichst du nicht verständlicher. Picke dir am besten nur 1 oder 2 Aspekte raus, zu denen du sofort einen Zugang hast – und die du mit Freude angehst.
 

Das Innere wirkt nach außen, das Äußere nach innen.

Schon wenn du nur Kleinigkeiten veränderst, haben sie in der Gesamtheit einen großen Effekt. Wie immer beim Sprechen und Kommunizieren wirkt jede innere Verhaltensänderung auch nach außen – und umgekehrt.

Du kannst dir z.B. vornehmen, in die nächste Gesprächssituation mit einer klaren Gliederung deiner wichtigsten Punkte reinzugehen. Und dann jeden einzelnen Punkt stimmlich wirklich abzuschließen und kraftvoll stehen zu lassen. Eine Pause zu machen. Dann erst weiterzusprechen.

Und jetzt: durchatmen. Ausprobieren.

Das Wichtigste: Sprich über deine Ideen, deine Themen, dein Wissen und gib damit ihnen die Chance, verstanden zu werden.

 

Verständlich, strukturiert und mit klarem Ausdruck zu sprechen, geht durch Übung und mit steigendem Bewusstsein immer besser. Als deine Sparrings-Partnerin unterstütze ich dich dabei sehr gern im Rahmen eines Rhetorik Coachings! Damit du deine Stimme findest und gehört wirst. 

Hier geht's zum Rhetorik Coaching. Speziell für Frauen