WENN SIE REDEN VORLESEN, DANN BESSER!

 
 
Beitragsbild: unsplash

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Es ist verständlich, dass Sie Ihre Rede ausformulieren und vorlesen wollen. Das kann wie ein „Sicherungsseil“ funktionieren. Sie haben alles wortwörtlich vor sich. Sie können keine wichtigen Gedankengänge oder Sachverhalte vergessen und alles sagen, was Ihnen wichtig ist. Die Gefahr von „Blackouts“ wird absolut verringert.
 

Eine beliebte Vorgehensweise

Es ist sogar die Entscheidung, die von der Mehrheit der Redner getroffen wird: In Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und zu privaten Anlässen wird überwiegend vom Blatt gelesen. Nicht jeder kann oder möchte frei sprechen. Fast alle berühmten Reden der Weltgeschichte waren zudem Manuskriptreden; sie wurden vorgelesen. Aber es gibt es einige Dinge zu beachten, denn diese Vorgehensweise ist nicht ohne Fallstricke...
 

Redner im Text verschwunden

Vielleicht haben Sie es als Zuhörer schon erlebt: der Redner kommt auf die Bühne, legt einen Zettelstapel vor sich aufs Pult, wirft einen letzten Blick ins Publikum – und verschwindet in seinem Text. Er beginnt vom Blatt zu lesen. Anfangs hören Sie hoch motiviert zu, dann beginnt die Aufmerksamkeit abzuschweifen. In der Folge zieht ein Großteil des wahrscheinlich spannenden, stundenlang ausgearbeiteten Vortrags an Ihnen vorbei.
 

Gesprochene Sprache funktioniert anders

Was kann der Haken beim Vorlesen sein? Geschriebene Sprache wird grundsätzlich anders aufgenommen als gesprochene. Ein Leser kann den Absatz eines Artikels einfach ein zweites Mal lesen, wenn er ihn beim ersten Mal nicht verstanden hat. Ein Hörer jedoch ist darauf angewiesen, dass der Redner ihn in seine Gedankenwelt „mitnimmt“.
 

Vorlesen kann die Distanz erhöhen

Alles Sprechen sollte auf die Zuhörenden ausgerichtet sein. Ansonsten schafft Ablesen besonders schnell eine Distanz zwischen Redner und Publikum. Der Sprecher versucht, seine in Schriftsprache geschriebenen Sätze möglichst fehlerfrei vorzulesen. Das an sich ist ja schon nicht einfach: ‚Bloß nicht die Zeile verlieren, über diesen Gedanken ohne Holpern „drüberkommen.’

Die Folge: wenig Blickkontakt, wenig direkte Ansprache, wenig Interaktion zwischen Redner und Publikum. Damit verabschieden sich die Hörer langsam in die eigenen Gedankenwelten oder wenden den Blick auf das Handydisplay.
 

Publikum unterwegs verloren

Was passiert dann? Der Redner registriert, dass ein Teil des Publikums mit der Aufmerksamkeit woanders ist. Das lässt seine Verunsicherung ansteigen. Er hält sich umso fester an seinem Manuskript fest, möchte einfach nur noch „durchkommen“. Deswegen spricht er schneller. Noch weniger Leute im Publikum können folgen. Die finden ihre neuen Mitteilungen am Handy jetzt auch spannender. Ein Teufelskreis.

Damit Sie nicht in diese unangenehme Spirale hinein geraten, können Sie in jeder Phase der Vorbereitung und des Vortragens etwas tun. So erhöhen Sie Ihre Verständlichkeit und sichern die Aufmerksamkeit Ihres Publikums während des Auftritts.
 

Ihre Rede für das Publikum schreiben

Schreiben Sie mit dem gesprochenen Wort „im Ohr“. Wie würden Sie’s dem Publikum sagen? Versuchen Sie, klar und prägnant und verständlich zu formulieren. Gesprochenes zeichnet sich durch kurze Sätze aus. Bilden Sie keine komplizierten Schachtelsätze.
 

Den Text mit allen Facetten kennenlernen

Lesen Sie die fertige Rede sich selbst oder einem Probe-Publikum laut vor. So erkennen Sie, wo Sie sprachliche „Stolpersteine“ eingebaut haben oder einen Satz, der nicht in den Mund geht. Begeben Sie sich beim Proben in die körperliche Position, in der Sie beim Auftritt auch sein werden. Hinter einem Rednerpult spricht es sich anders, als frei im Raum stehend oder an einem Tisch sitzend.
 

Fokussiert in den Auftritt gehen

Machen Sie sich vor dem Auftritt noch mal Ihre Haltung klar. Wo bin ich? Warum rede ich? Fokussieren Sie sich dann auf Ihre Zuhörer. Für wen rede ich? Was soll mein Publikum davon haben? Gutes Vortragen und Vorlesen ist Kopfarbeit und eine Frage der Einstellung.

Vorgelesene Reden und Vorträge können spannend sein, das Publikum bewegen und begeistern. Das klappt, wenn Sie jede Phase der Vorbereitung danach ausrichten, was Sie den besonderen Menschen, die Ihnen zuhören, erzählen wollen – und warum.

 

Mehr erfahren? Im Modul PROBEN gehen wir Ihre Rede konkret Schritt für Schritt durch. Wir erarbeiten eine klare Sprechweise mit Pausen und Stimmsenkungen. Damit Sie wirklich verständlich und lebendig vorlesen – und zwischendrin ins Publikum blicken.