FREI REDEN MIT STICHWORTZETTEL

 
 
 
Beitragsbild: Death to the Stock Photo

 

Eine Rede vor Publikum ist eine lebendige Sprechsituation. Das bringt auch mit sich, dass sie nicht planbar ist. Niemand kann vorher genau wissen, was diese Situation bringen wird.
 

Die vermeintlich sichere Variante

Genau das macht vielen Leuten Angst und sorgt für Lampenfieber beim öffentlichen Reden. Verständlicherweise. Sie sind exponiert: vor vielen Leuten, vielleicht auch noch auf einem Podium. Deswegen wählen viele Redner die vermeintlich „sichere Variante“ – und werden zu Vorlesern. 

Doch Geschriebenes und spontan Gesprochenes hören sich vollkommen unterschiedlich an. Wahrscheinlich merken Sie auch sofort, ob eine Rede abgelesen wird. Vorgelesene Reden zeichnen sich durch regelgerecht geformte Sätze aus, die meist sehr lang sind. Schriftsprache eben. Die Ausdrücke sind präzise gewählt, es gibt kein nach-Worten-suchen. Vorlesende fallen auch leicht in einen leiernden Tonfall, wobei sie das letzte Wort besonders betonen.
 

Reden-Vorlesen schafft Distanz

Beim Vorlesen gibt es meist keine Denkpausen, dafür aber ein besonders hohes Sprechtempo. Der Blickkontakt zum Publikum ist eingeschränkt – klar, man darf ja nicht die Zeile auf dem Blatt verlieren. Deswegen schaffen abgelesene Reden sehr schnell eine Distanz zwischen dem Vortragenden und den Zuhörern.

Für den Redner wiederum bieten komplett ausformulierte Reden keine Möglichkeiten für spontane Veränderungen und damit auch keine Freiheiten. Eine Rede-Situation aber ist ein „Dialog“. Die Zuhörer denken mit, sie fühlen mit: sie reagieren auf das Gesagte. Wenn der Redner das wahrnimmt und wiederum darauf reagiert, entsteht eine Interaktion. Das trotz der gegebenen Rollenverteilung, dass einer redet und die anderen zuhören.
 

Sie bereiten sich in jedem Fall vor

Genau dieses Zusammenspiel wird erschwert, wenn jedes Wort und jeder Satz genau auf dem Papier festgelegt sind. Bevor Sie sich redend vor Publikum stellen, werden Sie sich jedoch so oder so vorbereiten. Sie werden viel Zeit, Liebe und Gedanken in den Aufbau Ihrer Rede stecken und darauf achten, dass sie schlüssig konzipiert und für Ihr Publikum verständlich ist.
 

Wirklich in Kontakt kommen beim Reden

Wenn Sie das tun, dann können Sie für das Reden auch eine Form der Erinnerungsstütze wählen, die es Ihnen leicht macht, mit Ihren Zuhörern in Kontakt zu kommen. Mit der Sie wirklich reden können, wie Sie klingen und normalerweise auch sprechen. Inklusive aller Denkpausen und Tempovariationen. Das ist charmant, offen und dem kann man gut zuhören. Die ideale Unterstützung, um frei zu reden, bietet ein Stichwortzettel. Hier finden Sie einige Hinweise, wenn Sie dennoch Ihre Rede vorlesen möchten. 
 

Stichwortzettel für gedankliche Klarheit und Sicherheit

Ein guter und klar strukturierter Stichwortzettel unterstützt Sie beim Denken und Sprechen. Er bringt Sicherheit und sorgt für gedankliche Klarheit auch in der mitunter als stressig empfundenen Redesituation.
 

Reden vom Inhalt zur Form planen

Bevor Sie einen Stichwortzettel schreiben, planen Sie Ihre Rede. Der Weg der Vorbereitung geht vom Inhalt zur Form. Machen Sie sich klar, welches Ziel Sie mit Ihrem Sprechen verfolgen und für welche Zuhörerschaft Sie sprechen. Das ist wichtig, damit Sie von Anfang an Ihr Publikum „mitnehmen“ und an seinen Kenntnisstand anschließen.

Richten Sie alles, was Sie sagen wollen, auf dieses Ziel hin aus. Das bedeutet: keine Ausführungen und zusätzliche Rede-Schritte, die nicht Ihr Ziel stützen. Packen Sie nicht zu viele unterschiedliche Aspekte in Ihre Rede und „springen“ Sie nicht zwischen ihnen hin und her.  
 

Der Weg geht über das mündliche Formulieren

Nach der Rede-Planung geht es an die Satzplanung. Dabei führt der Weg zu einem gut sprechbaren und für die Hörer verständlichen Text über das mündliche Formulieren. Eine Möglichkeit dafür ist, anhand der vorhandenen Notizen erste Sätze und Gedanken auf Tonband aufzunehmen. So trainieren Sie von Beginn an den Umgang mit gesprochener Sprache und formulieren nicht zu „dicht“. Das mag wie ein Umweg erscheinen, ist aber von entscheidendem Vorteil für die Hör-Verständlichkeit.

Ein Stichwortzettel ist dann das „Kondensat“ all dessen, was Sie sich vorher erarbeitet haben. Jetzt formulieren Sie wirklich nur das aus, was wortwörtlich vorgetragen werden soll. Das können etwa der Rede-Einstieg sein, der Schluss oder auch getreu wiederzugebende Zitate.

Für alles andere gilt auf dem Stichwortzettel: keine ganzen Sätze. Übersichtlichkeit ist oberstes Gebot. Die Stichwörter werden miteinander in Beziehung gesetzt. Durch Pfeile, durch Gliederungspunkte, durch einzelne verbindende Wörter wie denn oder dann.
 

Reden mit dem dreigeteilten Stichwortzettel

Bewährt hat sich das Konzept des „dreigeteilten Stichwortzettels“. Machen Sie sich drei senkrechte Spalten auf ein Blatt Papier. In der 1. Spalte notieren Sie den Hauptgedanken, das „oberste Schlagwort“. In die 2. Spalte setzen Sie die eigentlichen Stichpunkte. Die 3. Spalte ist für genauere und weiterführende Angaben reserviert, für Zahlen, Daten und Fakten.

Diese Dreiteilung gibt Sicherheit: Sie wissen, dass die wichtigsten Stichworte in der Mitte stehen. Die übrigen Gedankenstützen finden links und rechts Platz. Diese Art des Stichwortkonzepts erleichtert das Denken beim Sprechen - und umgekehrt. Aufgrund der Möglichkeit, die nächsten Rede-Schritte auf einen Blick zu erfassen, ist das Herstellen und Halten von Blickkontakt gut möglich. Weil Sie die Reaktionen des Publikums mitbekommen, können sie leichter auf Ihre Zuhörer eingehen.
 

Beim Reden flexibel und spontan bleiben

Das Reden mit Stichwortzettel bringt noch einen entscheidenden Vorteil mit sich: Sie bleiben flexibel. Spontane Verlängerungen oder Verkürzungen der Rede sind jederzeit möglich. Es ist leichter, bei Zeitnot schnell einige Stichwörter zu überspringen, als ganze ausformulierte Textpassagen im Kopf zu streichen.
 

Die ideale Form eines Stichwortzettels

Bei Reden am Pult ist die ideale Größe für Stichwortzettel das Format DIN-A4. Wenn Sie im Stehen und ohne Pult sprechen, haben sich weiße, unlinierte DIN-A5-Karteikarten bewährt, die Sie quer halten. Die knittern und knistern nicht und erlauben lebendige Gestik. Unbedingt nur einseitig beschreiben: dann verdreht sich niemand den Kopf, um die Rückseite zu lesen. Nummerieren Sie Ihre Karten am Ende durch. So wissen Sie immer genau, wo Sie sich gerade befinden.
 

Rede durchsprechen für einen geübten Umgang

Wenn Sie die Stichwortzettel fertig vorbereitet haben, dann üben Sie den Umgang mit ihnen: sprechen Sie Ihre Rede mehrmals durch. Durchsprechen – nicht stumm lesen! Denn so können Sie etwaige Mängel Ihres Konzepts erkennen und noch korrigieren.

Die freie Rede ist ein lebendiger Prozess des Austauschs mit dem Publikum. Wenn Sie mit Ihren Zuhörern in Verbindung kommen und sicherstellen wollen, dass Ihre Inhalte ankommen, ist ein Stichwortzettel die ideale Wahl. 

 

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