Wie du lernst, bewusster zu kommunizieren

 
 
Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker

Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker

Nicht nur das Was, auch das Wie ist für die zwischenmenschliche Kommunikation von Bedeutung. Also: es sind nicht allein die Worte entscheidend, wie eine Botschaft beim Zuhörer ankommt. 

Ebenso wichtig sind der Körper- und der Sprechausdruck. Und natürlich die innere Haltung des Sprechers, die bei jeder Kommunikation mit transportiert wird. 

Sicherlich kennst du das Sprichwort: ‚Der Ton macht die Musik.’ Hier steckt diese altbekannte Wahrheit schon drin. Aber wie das so ist, mit den Wahrheiten: die schlüpfen gern auch mal aus unserem Bewusstsein raus. 

Plötzlich stehen wir dann da und fragen uns, warum unsere Botschaft nicht angekommen ist. Warum unsere Gesprächspartner oder die Zuhörer bei einer Präsentation so anders reagieren, als wir es uns wünschen. 

Ob wir wollen oder nicht: zwischenmenschliche Kommunikation wird vom Körper- und Sprechausdruck mitgeprägt. Sogar ganz entscheidend. Es ist eine zusätzliche Ebene, über die Informationen vermittelt werden. Manchmal andere, als über die rein sprachliche Ebene. 
 

Das hast du sehr gut gemacht. Nicht.

Hast du Folgendes schon mal erlebt?  Dein Gegenüber sagt zu dir: „Das hast du sehr gut gemacht.“ Ein Lob; auf der sprachlichen Ebene. Nun stell dir dazu vor, dass dieses Gegenüber dabei auf den Boden blickt, die Arme verschränkt hält und einen Tonfall anschlägt, als wollte es dich auffressen. 

Und schwupps, kommt diese Botschaft aufgrund der Sprechhaltung und des körperlichen Ausdrucks ganz anders an, als vom Wortinhalt her. Der Inhalt und der restliche Ausdruck passen einfach nicht zusammen.

Wahrscheinlich nimmst du aus diesem „Lob“ mit, dass du irgendwas falsch gemacht hast, dass dein Gegenüber unzufrieden ist. Du wirst der Wort-Botschaft keinen Glauben mehr schenken können. 

Körper- und Sprechausdruck haben immer einen hohen Informationswert. Auf der wörtlichen Ebene können wir vieles sagen und behaupten – wenn die Botschaft nicht durch einen kongruenten sprecherischen und körperlichen Ausdruck abgesichert wird, entfalten die Worte keine Wirkung. 

Manchmal entstehen dann Verunsicherung und Misstrauen – und schon stehen wir mitten im kommunikativen Dschungel, wo Verständigung deutlich schwieriger wird. 

Wenn wir an anderen Menschen etwas wahrnehmen, hat das immer auch eine Wirkung auf uns. Selbst dann, wenn diese Wahrnehmungen nicht ins vorderste Bewusstsein dringen. Vielleicht bleibt nur ein Eindruck von: „Da war irgendwas komisch.“ Oder: „Da hat was nicht zusammen gepasst.“

Genauso läuft es natürlich auch in die andere Richtung: Wir sagen oder tun etwas - und bekommen von unserem Gegenüber eine Reaktion zurück. Die kann zufriedenstellend ausfallend, oder auch ganz anders als erwartet.

Aber natürlich ist es nicht befriedigend, eine Botschaft irgendwie abzusenden und zu hoffen, dass sie schon richtig verstanden wird. Das kann nämlich schnell zu Frustration führen. Aber es gibt Hebel, bei denen wir ansetzen können. 

Erfolgreiche Kommunikation hängt mit zwei Dingen im besonderen Maße zusammen:

  1. Mit behutsamer Deutung des Gesprächspartners. Dazu können wir unsere Fähigkeit zum Zuhören und genauen Beobachten, sowie unsere Empathie-Fähigkeit schulen.
     
  2. Geglückte Kommunikation lebt von aufmerksamer Selbst-Wahrnehmung. Und während wir auf unsere Gesprächspartner nur bedingt Einfluss nehmen können, liegt der Bereich rund um die Selbst-Wahrnehmung tatsächlich in unserer Hand.
     

Es gibt 3 Punkte, an denen du ansetzen und mit denen du dich und deine kommunikativen Reaktionen besser kennenlernen kannst. Das ebnet dir den Weg zu bewusster Kommunikation und wirklichem Verständnis – von dir selbst und in der Folge auch von anderen. 
 

1.      Mach dir bewusst, was in dir passiert

Der erste Schritt führt über ein genaues Bewusstmachen deiner inneren Abläufe. Wenn du kurz innehältst und in dich reinhörst, was nimmst du dann wahr? 

Hier spielen etwa folgende Fragen eine Rolle: Was möchtest du gerade? Wie fühlst du dich? In welcher Situation befindest du dich gerade? Was löst das in dir aus – an Gedanken und an Gefühlen? 

Hier geht es noch nicht um Veränderungen – sondern um ein waches und interessiertes Wahrnehmen von dem, was ist. 
 

2.      Beobachte, wie sich die innere Haltung im Körper ausdrückt

Achtsame Beobachtung ist der zweite Schritt auf dem Weg zu bewussterer Kommunikation. Und auch hier geht es noch nicht um Veränderung. 

Erst mal ist wichtig wahrzunehmen, wie sich die wahrgenommene Stimmung oder innere Haltung im Körper ausdrückt. Damit sind wir auf der Ebene dessen, was andere Leute auch wahrnehmen können, wenn sie dich ansehen und mit dir kommunizieren. 

Ein guter Punkt, um die achtsame Beobachtung zu beginnen, ist der Atem. Wie verhält er sich gerade? Wo spürst du ihn besonders deutlich? 

Dann kannst du deine Beobachtung fortsetzen und andere Bereiche deines Körpers in dein Bewusstsein aufnehmen: wie stehst du gerade da? Wo sind deine Hände? Wo fühlst du besondere Spannung? Was machen deine Schultern? 
 

3.      Verändere behutsam einzelne Aspekte deines Ausdrucks

Erst im dritten und letzten Schritt geht es darum, das innen und außen Wahrgenommene in eine andere Form zu überführen und das eigene Verhalten behutsam zu ändern. Natürlich nur, wo es Sinn macht und die Kommunikation befördert. 

Körper- und Sprechausdruck sind absolut individuell. Deswegen geht es niemals darum, ein uniformes Rede- oder Gesprächsverhalten anzutrainieren. Über das Bewusstmachen und die Beobachtung hast du aber schon viele Informationen darüber bekommen, was in einer herausfordernden Kommunikations-Situation in dir abläuft und wie sich das körperlich ausdrückt. 

Vielleicht hast du gemerkt, dass deine Schultern verspannt sind oder dass dein rechter Fuß immer wild wippt, wenn dich was aufregt. Oder du hast wahrgenommen, dass du auf deinen Lippen rumbeißt, wenn dein Herz vor Anspannung rast. 

In diesen Beschreibungen steckt es schon drin: das Thema Spannung. Denn wenn du innerlich angespannt bist, weil etwas psychisch anstrengend oder intellektuell herausfordernd (oder beides) ist, drückt sich das auch in der Körperhaltung aus. 

Die gute Nachricht daran ist: das gilt auch in umgekehrter Richtung! Denn bewusste körperliche Entspannung bzw. der Abbau von Verspannungen hilft dabei, innerliche Überspannung zu lösen. Und wenn sie sich löst, treten Ruhe und Sicherheit an ihre Stelle. 

Hier kommt wieder der Atem ins Spiel: oft hilft es schon, ganz bewusst zu atmen. Dann schick deinen Atem mental an die Stellen, an denen du deine Verspannungen besonders deutlich wahrnimmst. Dadurch tritt in vielen Fällen bereits eine Lockerung ein. 

Darüber hinaus kannst du Körperhaltungen vermeiden, die beim Kommunizieren eine Verspannung geradezu fördern. Dazu zählen das Verschränken der Arme vor der Brust und das Ballen der Hände zur Faust ebenso wie ein Hochziehen der Schultern. Auch das Festhalten an Pult, Tisch oder Stuhl kann zu Verspannungen führen. 

Wenn du diese Dinge ganz bewusst nicht tust, sondern dich bemühst, für dich stimmige und offenere Alternativen zu finden, wirkt sich das sofort auf deine innere Haltung und den gesamten Ausdruck aus. 
 

So bewusst wie möglich kommunizieren

Körperausdruck, Sprechausdruck und natürlich auch das innere Empfinden sind immer vorhanden und senden Botschaften aus. Sie sind so eng miteinander verbunden, das die eine Ebene immer in den anderen auch enthalten ist und durch sie hindurchwirkt. 

Das sagt auch der Psychologe Paul Watzlawick mit seinem berühmten Ausspruch: "Man kann nicht nicht kommunizieren". 

Was wir aber lernen können: so bewusst wie möglich kommunizieren. Das gelingt durch immer bessere Eigenwahrnehmung, genaues Feedback und natürlich durch fortgesetztes Interesse für uns selbst und Übung. Mit jedem Schritt sehen wir unsere Wirkung klarer und können wach und absichtsvoll und zugewandt das ausdrücken, worauf es uns wirklich ankommt.

 

Auch interessant? Beim REDE-CHECK beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie du wirkst und an welchen Stellen du ansetzen kannst, um durch Bewusstmachung und Training das Beste aus deinen Fähigkeiten zu machen.