GEDANKEN ÜBER FEEDBACK

 
 
Beitragsbild: Corinne Kutz, unsplash

Beitragsbild: Corinne Kutz, unsplash

 

Das Wort „Feedback“ ist besonders eng mit der mündlichen Kommunikation und also auch mit Reden verbunden. Feedback wird gegeben, genommen, bekommen, durchdacht – und manchmal wird auch das Feedback selbst befeedbackt. Zeit für ein paar grundsätzliche Gedanken dazu.
 

Feedback ist eine Rückmeldung

Mir hilft es, wenn ich ab und zu die deutsche Entsprechung dieses Wortes verwende: Rückmeldung. Das ist klar, einfach und geradlinig. Mit Feedback wird jemandem etwas zurückgemeldet. Etwa, wie ein bestimmtes Verhalten gewirkt hat oder welchen Eindruck eine Handlung macht. Im Idealfall hilft Feedback dabei, eigenes Verhalten zu erkennen und zu verändern.
 

Bewusster Umgang mit eigenen Wertungen

Damit Rückmeldungen nicht zu einem scharfen Messer werden, sprach einer meiner Lehrer immer von einer „Ethik des Feedback-Gebens“. Das bedeutet, sich bewusst zu werden, dass in jedem Feedback potentiell die eigenen Motivationen, Wertungen, Überzeugungen und Ressentiments zum Tragen kommen.

Die Frage ist: was bleibt von einem Feedback als wirklich wichtig übrig, wenn ich den eigenen Geschmack und persönliche Meinungen herausfiltere? Da hilft es, mir meiner eigenen Gedankenwelten bewusst zu sein. Denn Feedback darf nicht zu einer Selbstdarstellungs-Show werden, sondern sollte dem Gegenüber dienen.
 

Respekt und konkrete Beschreibungen

Gutes Feedback ist von Respekt vor dem anderen und seinen Leistungen geprägt. Ich halte genaue und konkrete Beschreibungen für zentral. Das heißt: keine Verallgemeinerungen und Generalisierungen, keine Analysen und Psychologisierungen. Sondern Beschreibungen von einem bestimmten Verhalten in einer klar abgegrenzten Situation.
 

Schmatzen in Theater-Proben

Ein Theater-Exkurs: Während des Probens einer Szene sind konkrete Beschreibungen das wichtigste Mittel zur Entwicklung eines situativen Ablaufs. Der Schauspieler sieht sich selbst und seine Handlungen nicht von außen.

Sagen wir als Anschauungsbeispiel, es geht darum, das Verhalten eines Menschen zu zeigen, der auf eine unappetitliche Weise isst: Dann hilft dem Schauspieler weder meine persönliche Meinung über schmatzende Menschen, noch die Information, dass Schmatzen und Sprechen mit weit offenem Mund eklig sein können. Auch das Zitieren einer Statistik wird wenig für neue Handlungsoptionen sorgen.

Hilfreich aber ist eine detaillierte und genaue Beschreibung dessen, was der Schauspieler in der betreffenden Situation auf der Bühne getan hat – und wie es auf mich gewirkt hat. Weiters kann ich beschreiben, was dieses Verhalten in mir an Gedanken und Gefühlen ausgelöst hat. Danach können wir uns miteiander fragen, welche Reaktionen wünschenswert sind – und das Erarbeitete im nächsten Schritt entsprechend anpassen.
 

Was ist jetzt gerade umsetzbar?

Gutes Feedback ist für mich eine Frage des richtigen Maßes: was kann jetzt gerade aufgenommen werden? Es ist nur sinnvoll, Dinge vorzuschlagen, die der andere jeweils auch umsetzen kann. Was nützen 15 gute Vorschläge, wenn dem Gegenüber schon nach zweien der Kopf raucht?

Auch die besten Rückmeldungen sind nur sinnvoll, wenn der andere fähig und innerlich bereit ist, sie anzunehmen. Als Feedback-Gebende liegt es in meiner Verantwortung, dieses Potential einzuschätzen und damit vorausschauend umzugehen.
 

Der Unterschied zwischen Feedback und Kritik

Im Idealfall ist Feedback ein Dialog. Hierin dürfen und sollen auch positive Wahrnehmungen, warme Gefühle und freundliche Gedanken einfließen. Dieser Aspekt unterscheidet Feedback für mich von Kritik. Feedback kann etwas ermöglichen, Mut machen, Entwicklungen befördern und neue Verbindungen schaffen. Für mich selbst, egal in welcher Position, ist es immer eine Möglichkeit, mehr über mich und meine Wahrnehmung von Welt zu lernen und bewusster zu agieren.
 

 

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