3 Tipps, wie du mit deiner Stimme vertraut wirst

 
 
Foto: Ryk Naves über Unsplash

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Wie gut kennst du deine Stimme? Wie sehr magst du sie, wie angenehm vertraut ist dir ihr Klang? Welche inneren Bilder entstehen, wenn du dir selbst zuhörst und deinen Stimmklang in die Welt hinausschickst? Wie hört sich deine Stimme nach einem Arbeitstag an, an dem du viel und ausdauernd gesprochen hast? Vertraust du deiner Stimme - oder ‘macht’ sie immer wieder Dinge, die dich irritieren?

Wenn du einige dieser Fragen mit einem leicht zweifelnden ‚weiß nicht‘ beantwortet hast oder du jetzt noch den Eindruck hast, dass deine Stimme nicht deine starke Seite ist, ist dieser Blogartikel der richtige für dich.

Vertrauen in die eigene Stimme entwickeln

Ich gebe dir 3 Tipps, wie du mit deiner eigenen Stimme, mit deinem Instrument, vertraut wirst.

Vielleicht fragst du dich, warum du deine Stimme überhaupt kennenlernen solltest. Schließlich ist sie sowieso da, sie begleitet jede deiner sprecherischen Äußerungen. Oder du hast dein Eindruck, dass deine Stimme ‚eben so ist, wie sie ist‘ und dass du an ihr nicht viel verändern kannst.

Vielleicht kommt sogar ein kleines Gefühl von Frustration, Unzufriedenheit oder Überforderung hoch, wenn du an deine eigene Stimme denkst. Oder du hörst innerlich die Zuschreibungen, die mal jemand über deine Stimme getroffen hat... Hysterisch, flach, unangenehm, schrill, zu hoch, zu tief, zu weißnichtwas: Was andere Leute über die eigene Stimme zu vermelden haben, kann oft jahrelang wie ein Widerhaken in der Seele sitzen.

Wenn die Stimme nicht so klingt, wie du willst…

Mit all diesen Emotionen und inneren Fragezeichen rund um deine eigene Stimme bist du nicht allein. Viele meiner Klient*innen kommen zu mir, weil sie ihre Stimme besser kennenlernen und dadurch ihr Ausdrucksfähigkeiten verbessern wollen. Oder weil sie merken, dass in schwierigen Situationen die Stimme immer hochrutscht. Viele fragen sich dann: “Wie klingt meine Stimme überhaupt?” und “Gibt es eine richtige Stimme?”

Oft sind es Frauen, die inhaltlich spitze sind und in ihrem jeweiligen Fachbereich brillieren, sich aber noch nie mit ihrer Stimme auseinandergesetzt haben. Und das an irgendeinem Punkt auch merken: Dann nämlich, wenn die Stimme nicht mehr so will, wie sie selbst.

Vielfach sind die Anforderungen, die ein stressiges Berufsleben oder das Ausbalancieren von verschiedenen Lebens-Aufgaben stellen, dann bereits deutlich in der Stimme zu hören.

Rau, belegt und ständig heiser: Deine Stimme schreit nach Aufmerksamkeit.

Die eine ist laufend heiser und will am Ende eines Arbeitstages gar nichts mehr sagen, so deutlich sehnt sich die Stimme nach Ruhe. Die andere will anderen Leuten besonders höflich begegnen, doch spricht dadurch ständig in Tonlagen, die ihrer Stimme einfach nicht guttun. Und die dritte hat das Bedürfnis, sich vor jeder neuen Äußerung zu räuspern: Die Stimme fühlt sich dauerhaft belegt an.

Das alles sind Warnsignale, die du deiner Stimme anhören kannst. Und noch mehr: Alle anderen hören diese Informationen bezüglich deiner Stimm- und Stimmungslage auch.

Wenn deine Stimme rau klingt, wenn du ständig heiser bist (und nicht nur, weil grad die Erkältungssaison bei dir Halt macht), wenn deine Stimme belegt ist (und nicht nur morgens nach dem Aufstehen) und du ständig damit beschäftigt bist, sie wieder ‚frei‘ zu kriegen: Dann solltest du dich spätestens genauer mit diesem besonderen Organ auseinandersetzen. Am liebsten natürlich schon, bevor es zu solchen stimmlichen Veränderungen und Einschränkungen kommt.

Stimme und Stimmung sind verbunden.

Wenn du dich zu oft und zu lange buchstäblich deiner eigenen Stimme gegenüber taub stellst, kann es zu ernsthaften Schädigungen kommen. Deswegen beschäftige dich mit deiner Stimme, lerne sie kennen und einschätzen. Entwickle ein Gefühl dafür, wie du klingst, wenn du entspannt bist – und was sich in deiner Stimme durch Stress verändert.

Je vertrauter du mit deiner Stimme bist, desto besser kannst du für sie sorgen – und damit natürlich auch immer für Dich als ganze Person. Denn Stimme und Stimmung sind immer miteinander verbunden!

Wie du dich mit deiner Stimme anfreunden kannst

Im Folgenden bekommst du 3 Tipps, wie du dich mit deiner eigenen Stimme vertraut machen kannst. Wie du dich mit ihr anfreunden kannst. Wie bei allen Freundschaften und Beziehungen ist es auch mit der eigenen Stimme ein Prozess. Einmal eine Atemübung zu machen oder ein bisschen summen, verändert nicht viel.

Aber wenn du dranbleibst, wenn du deine Stimme wirklich kennenlernen willst, dann wirst du die inneren und äußeren Effekte spüren. Es ist ein bisschen wie das Lernen eines Instruments: Durch Übung wirst du besser und sicherer. Und dieses ganz besondere Instrument, deine Stimme, hast du immer dabei!

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1. Höre dir selbst zu – von außen und innen

Sicher hast du deine eigene Stimme schon mal auf Band gehört. Und, war das ein Schreck für dich? Da hat sich deine Stimme auf der Aufnahme ganz anders angehört, als du sie normalerweise hörst.

Deine Stimme wird über Schallwellen auf dem Luftweg zu den Ohren deines Gegenübers befördert. Sie versetzt das Trommelfell der anderen Person in Schwingung und diese hört nun, was du sagst.

Du hörst natürlich auch, was du da an Lauten produzierst. Doch im Unterschied zu deinem Gegenüber hörst du dich nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Der von dir produzierte Schall wird auch über deine Knochen an dein Innenohr geleitet. Das Resultat: Du hörst dich sowohl von außen, als auch von innen. Natürlich im gleichen Moment.

Niemand sonst auf der Welt hört dich so, wie du dich selbst hörst. Und gleichzeitig bist du die einzige Person, die ihr eigene ‚Außenstimme‘ nicht so gut kennt, wie alle anderen.

Denn all deine Zuhörer*innen hören ja immer nur den äußeren Anteil. Doch du kannst deine Stimme, die du nach außen sendest, besser kennenlernen und dich mit ihr vertraut machen.

Sprich dir selbst eine Nachricht aufs Band.

Nimm dich selbst auf Tonband auf. Oder sprich dir selbst vom Festnetz aus (wenn du noch eines hast…) eine Nachricht auf die Mailbox. Lies dir selbst eine kurze Geschichte oder einen kleinen Zeitungsartikel vor. Und dann hör dir das nochmal an.

Und jetzt, wichtig: Einfach nur anhören. Nicht werten oder sofort-verändern-wollen. Einfach nur wahrnehmen, was ist und wie du von außen klingst. Dann sprich dir am nächsten Tag etwas anderes vor und höre es wieder einfach nur an.

So bekommst du Schritt für Schritt ein Ohr dafür, wie deine Stimme klingt und wie sie sich auch verändert: Je nach Stimmungslage, Tageszeit, Beanspruchung.

Höre auf deinen Stimmklang beim Sprechen.

Nach verschiedenen Aufnahmen richte deine Aufmerksamkeit auch wieder darauf, wie du deine Stimme ‚von innen‘ wahrnimmst: Höre dir selbst genauer zu beim Sprechen. Vielleicht nimmst du jetzt schon wahr, dass deine Stimme und ihr Klang sich je nach Situation und Emotion verändern.

Der Hosenknopf klemmt deinen Bauch ein? Das kann einen Effekt auf deine Stimme haben. Dein Chef hat dich gerade wegen einer Kleinigkeit zusammengefaltet und du erzählst danach einer Kollegin davon? Deine Gefühle dazu drücken sich auch in deiner Stimme aus.

Du sollst gleich einen Vortrag halten und bist zum Davonlaufen nervös? Die Stimme erzählt eine Geschichte davon. Du sitzt mit einer lieben Freundin auf der Couch und die Welt ist gerade in Ordnung: Deine Stimme geht entspannt in ihre Wohlfühl-Lage…

Fang an, dir selbst genauer zuzuhören, um deine Stimme kennenzulernen und wirklich mit ihr vertraut zu werden. Von innen und außen.


2.    Lerne deinen Atem kennen.

Wenn du dich dazu aufmachst, deine Stimme genauer kennenzulernen, dann kannst du gleich noch eine andere Freundschaft schließen: Die mit deinem Atem. Atmung und Stimme sind ein wunderbares Team, die deine Aussagen nach außen transportieren.

Anders noch: Deine Stimme ist ‚Ausatem‘. Du sprichst auf dem Ausatemluftstrom. Jede Lautäußerung ist mit einer Ausatmung verbunden. Der Atem strömt in dich hinein und wieder hinaus: Solange du atmest, lebst du. Das Nebenprodukt deiner Ausatmungsbewegung ist die Stimmproduktion. Ohne Atem keine Stimme.

Deine Atmung wirkt sich auf die Stimmgebung aus.

Deswegen ist in der Sprecherziehung die Beziehung zum Atem so ein wichtiges Thema. Wenn du lernst, deine Atmung bewusst zu spüren, sie zu vertiefen und zu verlängern, wirkt sich das positiv auf deine Stimmproduktion aus. Viele Stimmübungen beginnen tatsächlich erstmal mit der Wahrnehmung des eigenen Atems. Er ist die Basis für alles, was danach kommt.

Nimm dir Zeit, dich mit deinem Atem anzufreunden. Setz oder stell dich aufrecht hin. Lass deinen Atem einströmen – und auch wieder ausströmen. Beobachte einfach nur, was passiert. Nicht werten, nicht künstlich verändern.

Spüre, wie der Atem deinen Körper bewegt. Wiederholen. Wiederholen. Wiederholen.

Je genauer du deinen Atem kennenlernst und dir seiner immerwährenden Präsenz sicher bist, umso leichter kannst du auch in angespannten Situationen wieder zu ihm zurückkehren. Und damit auch irgendwann zu deiner entspannten Sprechstimmlage.



3.    Finde deine entspannte Sprechstimmlage.

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Es gibt eine für dich passende Stimmlage, in der du ausdauernd, mühelos und kraftvoll sprechen kannst. Diese Stimmlage ist nicht für alle Menschen gleich, sondern von Person zu Person unterschiedlich. Du musst nicht in einer bestimmten Stimmlage sprechen – sondern in der, die individuell zu dir passt.

Dieser Sprechtonbereich wird Indifferenzlage genannt oder deine ideale Sprechstimmlage. Mir gefällt auch der Ausdruck, den ich von einer Kollegin gehört habe: dein ‚stimmlicher Heimathafen‘.

Wo liegt deine ideale Sprechstimmlage?

Deine physiologisch richtige Stimmhöhe liegt im oberen Teil des unteren Drittels deines Stimmumfangs. Das ist dein Hauptsprechtonbereich. Stell dir eine Linie von oben nach unten vor und unterteile sie gedanklich in 3 Drittel. Im untersten Drittel liegt deine ideale Stimmlage im oberen Bereich.  

In verschiedenen Kommunikations-Situationen tendiert die Stimme dazu, höher zu rutschen. Das passiert, wenn du betont laut sprichst, bei Aufregung, bei Ärger oder auch bei dem Versuch, liebevoll‘ zu klingen. Wenn das einmal passiert, kann es zwar verräterisch wirken, schadet der Stimme allerdings noch nicht.

Doch wenn du ständig und gewohnheitsmäßig deinen Hauptsprechtonbereich nach oben hin verlässt, dann kann es zu einer Schädigung der Stimme kommen. Besonders interessant dabei ist, dass es den meisten Menschen nicht auffällt, wenn sie in der Stimmlage verrutschen. Dafür kannst du jedoch deine Aufmerksamkeit schulen, wenn du deinen idealen Sprechtonbereich ‚im Ohr‘ hast.

Summen und brummen, um deine Indifferenzlage zu finden

Am einfachsten findest du diesen Sprechtonbereich, wenn du dir vorstellst, dass du entspannt mit lieben Menschen am Tisch sitzt. Du nickst zustimmend und brummst dabei ein bejahendes ‚Mhm‘ vor dich hin.

Da entsteht ein weicher, im Idealfall immer ähnlich klingender Brummton. Wiederhole diesen Brummton mehrmals: wenn er sich wohlig anfühlt und du entspannt immer wieder bei diesem Ton andocken kannst, dann hast du deine ideale Sprechstimmlage gefunden.


Suche: Deine wohlig klingende Stimme.

Wenn du anfängst, mit deiner Stimme vertraut zu werden und sie zu entwickeln, dann geh mit allem, was sich angenehm, wohlig und entspannt anfühlt. Entwickle ein Gefühl dafür, wie deine Stimme klingt, wenn du entspannt und gut drauf bist.

Speichere dir diese Töne in deinem ‚inneren Ohr‘ ab. Je länger du übst, desto leichter wirst du auch in angespannten Situationen zu dieser besonderen Stimmlage zurückkehren können.


Deine Stimme darf dir Freude bereiten.

Fang an, leise vor dich hinzusummen und zu brummen. Oder zu singen. Nur für dich, zum Spaß. Ich empfehle das Fahrrad: Auf dem Weg nach Hause durch den Park singe ich vor mich hin. Andere tolle Orte zum Stimme-Üben sind jedoch auch: Das Bad und die Dusche.

Es kommt nicht von ungefähr, dass so viele Leute gerne unter der Dusche singen. Du bist für dich allein, das Wasser plätschert, es fühlt sich alles wohlig-warm an und du kannst deine Stimme nach Herzenslust ausprobieren. Außerdem kommt die gute Laune dann gleich mit. Entwickle eine Freude an den Vibrationen, die so ein ‚Mhm‘ auslöst: In deinem Halsbereich, in deinem ganzen Körper.

Bade in den Tönen, die du von dir gibst. Mach dich vertraut mit deiner Stimme, vertraue ihr und lass sie hören! Dieses innere Vertraut-Sein mit der eigenen Stimme wirkt sich dann nämlich wieder nach außen aus und wird als Selbstsicherheit und Kompetenz wahrgenommen. Vertrauen schafft Vertrauen.

 
 
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Hallo, ich bin Beatrix Schwarzbach. Ich glaube daran, dass wir mit unseren Worten die Welt verändern können: wenn wir uns sprechend Gehör verschaffen. Dafür mache ich mich als Rhetorik Trainerin stark. Für eine wertschätzende, überzeugende und emanzipatorische Rhetorik.

Rhetorik Training Berlin strichlierte Linie.png
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