Erst ankommen - dann anfangen: Tipps für einen bewussten Auftritt

 
 
Beitragsbild: Callie Morgan, unsplash

Beitragsbild: Callie Morgan, unsplash

 

Endlich ist der Moment gekommen, in dem du vor dein Publikum trittst, das dir gespannt entgegen blickt.  Das Lampenfieber lässt den Puls in die Höhe schnellen, und dann willst du eigentlich nur eines: schnell anfangen. Schnell über die ersten paar Minuten hinaus kommen, um zu dem Punkt zu gelangen, wo die Spannung endlich nachlässt.
 

Einfach nur reinspringen und loslegen? 

Dieser Impuls, einfach nur beginnen zu wollen und „ins kalte Wasser zu springen“ ist verständlich. Du willst das Publikum erreichen, eine Beziehung herstellen und möglichst authentisch die eigene Botschaft vermitteln. All diese Anforderungen lösen gleich noch mehr Lampenfieber-Stress aus. Jetzt aber wirklich beginnen, dann „habe ich es hinter mir...

Also trittst du vor deine Zuhörer und noch bevor du richtig stehst, hörst du dich schon den ersten Satz sagen. Die weiteren Anfangs-Sätze plätschern nacheinander aus deinem Mund raus. Die Zuhörer vor dir sind eine einzige gesichtslose Masse... Da kannst du den wertvollen Anfang deiner so intensiv vorbereiteten Präsentation schon verschenkt haben...
 

Bewusst ist besser

Deswegen kommt einem bewussten Auftritt so eine besondere Bedeutung zu. Nach dem Motto: erst ankommen – und dann anfangen. Warum ist das so? Und wie könnte so ein präsenter Auftritt und Rede-Einstieg aussehen?

Gleich zu Beginn einer Rede entscheidet sich vieles: das Interesse der Hörer für die Sache. Die Aufmerksamkeit des Publikums. Die innere Einstellung des Publikums zum Redner und seinen Inhalten.

Zuhörer fällen schnell ein Urteil über den Redenden und hören dann dem Vortrag mit den eigenen gedanklichen Wertungen zu. Wer verhetzt in die Rede einsteigt, wird in den Gedanken des Publikums kaum mehr zum tiefenentspannten Buddha mutieren...
 

Die ersten 3 entscheidenden Minuten

Verschiedenen Untersuchungen zufolge entscheiden gerade die ersten 3 Minuten über die Bereitschaft des Publikums, zuzuhören und sich überzeugen zu lassen. Deswegen kommt bei allen Rede- und Präsentationssituationen dem Einstieg so eine wichtige Bedeutung zu.

Inhaltlich wird gerade der Beginn der Präsentation zum größten Teil wieder vergessen. Denn in den ersten Minuten ist die Kapazität des Hörers, Neues aufzunehmen, sehr gering. Auf zu vieles muss er sich ja gleichzeitig einstellen: etwa auf die neue Situation, die Persönlichkeit des Sprechers und die Qualität des Inhalts. 

Wer also besonders schnell anfangen will, kopfüber ins eiskalte Nass, vergibt sich eine Chance für den Einstieg und macht es sich ungewollt schwer. Denn Eindrücke zu Körperausdruck, Stimme und Präsenz werden vom Publikum noch mal anders verarbeitet als die inhaltlichen Komponenten und haben viel mit Gefühlen zu tun. 
 

Das verdammte Lampenfieber soll weggehen! 

Ich erlebe immer wieder, dass Menschen auf die Bühne gehen und dann den ersten Satz sagen oder in die erste Aktion springen, ohne überhaupt angekommen zu sein. Das betrifft Redner und Schauspieler gleichermaßen. Fast immer entsteht das aus dem Bedürfnis, sich selbst möglichst schnell aus der Spannung zu erlösen, die ein neuer Auftritt mit sich bringt.

Aber dieses „noch-nicht-ganz-da-sein“, dieses „sich-hineinschummeln-wollen“ merkt man der Person auf der Bühne an. Selbst wenn das Publikum es sich nicht bewusst macht: solange der Redner nicht wirklich „da“ ist, sind es die Zuhörer auch nicht. Solange sich das Publikum nicht angesprochen, gemeint und wahrgenommen fühlt, wird es auch nichts an- und aufnehmen. 

Wenn Redner und Publikum noch nicht in der neuen Situation angekommen sind, dauert es dementsprechend länger, bis Verständigung möglich wird. Das ist schade, denn darum geht es ja auch bei Reden: um bewusstes Verstehen und klare Kommunikation.
 

Wichtige Augenblicke der Vorbereitung

Damit das von Beginn an gelingt, sind auch die Augenblicke vorab wichtig, in denen noch kein Wort gesagt wird. Nimm dir schon vor dem Auftritt Zeit, dich mental auf die Sprechsituation vorzubereiten: „Ja, gleich gehe ich da raus und werde mein Bestes geben.

Und wenn das Lampenfieber allzu sehr beißt?  Versuche, einen freundschaftlichen Umgang damit zu pflegen, im Sinne von: „Hallo Lampenfieber, auch schon wieder da? Na, dann lass uns mal miteinander rausgehen. Ja klar, du kommst auch mit...

Es nützt nichts, das Lampenfieber wegdrücken zu wollen – es meldet sich dann nur umso heftiger zurück. Bis zu einem gewissen Grad ist Lampenfieber sogar nützlich für einen erfolgreichen Auftritt.

Schließlich der Schritt vors Publikum: ja, alle Augen sind da auf dich gerichtet. Das ist  ein Moment von kribbeliger Erwartung – und er kann auch etwas mit freudvoll empfundener Macht zu tun haben. Bei einer Rede oder Präsentation ist die Rollenverteilung klar: ein Mensch in einer räumlich exponierten Position redet – und die anderen hören zu. Und ja, dieses besondere Macht-Gefälle darf man durchaus auch mal genießen... 

Nutze also diese besondere Situation für dich: genauso sehr, wie du dir vielleicht lampenfiebrig Gedanken darüber machst, was die anderen von dir halten, sind diese Menschen gespannt auf das, was sie von dir erfahren werden.

Nimm dir Zeit für den Gang auf die Bühne, zum Redner-Pult oder auf die Position vor deine Zuhörer.  Und wenn du angekommen bist, dann steh erst mal da. Atme tief durch, nimm Blickkontakt zu den Leuten dir gegenüber auf, freundlich. Gib dir selbst einen Moment, um dir zu vergegenwärtigen: Jetzt bin ich da. Genau hier.
 

Du hast die Zeit in der Hand

Komm dann in dieser neuen Situation des Aufgetreten-Seins an. Wirf dich nicht überstürzt in den ersten Satz, sondern atme erst einmal durch - und aus. Niemand wird an deiner statt anfangen zu sprechen. Du gibst die innere und äußere Zeit vor. Du hast die Situation in der Hand.

Je fokussierter und präsenter du bist, desto eher werden dir deine Zuhörer folgen. Noch mal ausatmen: das erdet und bringt den Puls zur Ruhe. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Stimme aus. Blickkontakt aufbauen. Und den Beginn deiner Rede im Kopf und im Herzen habend, klar anfangen.

 

Allein reden, aber nicht allein sein: für einen Fokus, der dich sichtbar macht, gibt es gezielte Unterstützung rund um Ihren Auftritt: davor, dabei und danach...