Deine Rede entwickelt sich lange vor dem Auftritt

 
 
Beitragsbild: unsplah

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Am Ende stehst du vor deinem Publikum. Vielleicht bist du aus der ersten Reihe aufgestanden und auf die Bühne gestiegen. Oder du bist mit einem beherzten Schritt aus dem Off ins Rampenlicht getreten. Oder du hast die Tür des Konferenzraums für deine Kollegen geöffnet, die dir nun gespannt gegenübersitzen.

All das ist nicht plötzlich passiert. Bis dahin hast du einen Schritt nach dem nächsten gemacht. Du hast eine innere und äußere Entwicklung durchlaufen, die dich zu dieser Rede, zu dieser Präsentation geführt hat.

Bevor du vor deine Zuhörer trittst, durchläufst du zwei andere, entscheidende Phasen. Du entscheidest, wie bewusst du das tun möchtest. Diese beiden Phasen finden nicht im Scheinwerferlicht statt. Aber sie erleichtern ‚den Schritt auf die Bühne‘ sehr.
 

Vor dem Reden klärst du dein Warum

Die erste Phase dient der Vorbereitung und findet meist am Tisch statt. Hier klärst du dein Warum und deine innere Haltung. Du trägst alle wichtigen Informationen zusammen und schaffst dir eine Struktur für deine Rede oder Präsentation.

Die wichtigste Frage ist immer: was willst du erzählen? Und warum ist gerade das dein Thema?

Vielleicht hast du die Antwort nicht mit einem Fingerschnippen parat. Tatsächlich ist die Frage nach dem Warum nicht immer so leicht zu klären. Denn du bist aufgefordert, dazu tief in dich hineinzuhorchen.   

Die Antwort darauf liegt immer in dir selbst. In deiner Sichtweise auf die Welt und in deiner eigenen Wahrnehmung. Wenn du eine Antwort in dir spürst, kannst du dich daran wie an einer Leitplanke entlang bewegen.

Das Warum bestimmt auch deine sprecherische Haltung. Und letztendlich hängen damit auch die Auswahl der Informationen und die Ansprache deines Publikums zusammen.

Wenn du während der Rede-Vorbereitung die Orientierung verlierst, kannst du dich mit einer kurzen Erinnerung an dein Warum wieder neu ausrichten. Geh in Ruhe durch diesen Prozess: Je fokussierter du bist, desto mehr wirst du eine klare Sprache finden für das, was dich umtreibt.

Jede Rede und jede andere Art von Inszenierung durchlaufen solch einen ersten Prozess der Vorbereitung. Es ist die ‚unsichtbarste‘ Phase. Sie findet statt, bevor das erste Wort laut ausgesprochen wird und sich die innere Haltung im Körper ausdrückt. Nimm dir Zeit dafür.
 

Aktive Rede-Vorbereitung in Farbe und 3D

Wenn du die Vorbereitung für deine Rede oder Präsentation am Tisch abgeschlossen hast, beginnt die zweite Phase. Jetzt wird aktiv geprobt!

Bitte überspring diesen Teil des Prozesses nicht! Wenn du dir Zeit für eine Probe vor deiner Präsentation nimmst, kannst du viel Neues herausfinden.

Du wirst eine aktive Sprache finden für all die Ideen, Haltungen und Gedanken. Du wirst dich selbst hören und fühlen. Du kannst erforschen, wie sich dein Körper zu deinem Rede-Text verhält. Wie nur du deine Gedanken aussprichst.

Natürlich kann das am Anfang befremdlich sein, wenn du dich ganz allein in deinem Raum aufbaust und zu reden anfängst. Aber du bekommst dadurch Informationen über deinen Vortrag und dein Sprechen, die du durchs stumme Lesen nie angezapft hättest.
 

Bring auf den Punkt, worum es dir geht – aber nicht punktuell

Durch diese Probe vor dem Reden kannst du ‚auf den Punkt bringen‘, worum es dir geht. Wenn du dann später wirklich vor dein Publikum trittst, wird dich deine Probe sicherer gemacht haben. Wahrscheinlich wird sich dein Lampenfieber nur schwach äußern. Du hast eine wirkliche Erfahrung gemacht und weißt bereits, wie dein Vortrag läuft.  

Vor Publikum reden und präsentieren ist keine Leistung, die punktuell erbracht wird. Es ist das sichtbare Endresultat einer Entwicklung, die lange vor dem eigentlichen Ereignis begonnen hat. Auf jeder Ebene.
 

Du bereitest dich Tag für Tag vor

Beim Reden auf der Bühne und beim Präsentieren vor Publikum begeistern immer Persönlichkeiten. Es sind Menschen, die sich auf produktive Weise mit sich selbst auseinandersetzen. Sie haben eine Haltung zur Welt und begegnen den Herausforderungen des Lebens einem Prozess des Wachsens und Werdens.

Auch du sammelst beständig deine Beweggründe, deine Geschichten, Informationen und Warums. An jedem einzelnen Tag. Und wenn der Moment gekommen ist, trittst du raus vor deine Zuhörer.  

Manchmal wirst du dich aus der letzten Reihe aufs Podium boxen. Manchmal wirst du auf Händen über die Menge nach vorne gehoben. Und immer liegt davor eine persönliche Entwicklung, die dich zu genau diesem Punkt hingeführt hat.