Spür deine Füße: diese effektive Übung sorgt für einen sicheren Stand

 
 
Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

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Manchmal verlieren wir den Kontakt zu unseren Füßen. Wir verlassen uns darauf, dass sie funktionieren.

Aber irgendwann spüren wir sie nicht mehr richtig. Sie tragen uns von A nach B. Wir lassen uns tragen. Aber dass wir sie fühlen und wahrnehmen, so richtig…?
 

Quietsch, schepper, boing: Bein kaputt…

Vor zwei Jahren hat mich ein Fahrrad-Unfall im wahrsten Sinne des Wortes ‚von den Füßen gerissen‘. Danach durfte ich für eine lange Zeit ein Bein gar nicht mehr belasten. Das andere Bein (und zwei Krücken) haben mich durch die Gegend getragen. Meine Beziehung zu dem ‚kaputten‘ Bein hat sich in Schmerzen und dem Gedanken ‚das funktioniert nicht‘ erschöpft.

Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich gelernt, das andere Bein wieder zu belasten – und zu spüren. Und ihm zuzutrauen, dass es mich trägt. Ihm dankbar dafür zu sein. Es wieder in meinen Körper zu integrieren.
 

Füße spüren. Sicher und geerdet präsentieren und reden. Rhetorik für Frauen.png

Ein neuer Blick auf das Zusammenspiel der Teile

Mich hat dieser kurzzeitige ‚Ausfall‘ eines Körper-Teils dazu gebracht, wieder neu auf meinen Körper als Ganzes zu schauen. Auf all die anderen wunderbaren Teile, die täglich funktionieren, ohne dass ich sie groß beachte oder ihr Zusammenspiel als etwas Besonderes wahrnehme.

Dabei schenkt uns dieses gemeinsame Wirken aller Teile unseres Körpers die Freiheit so zu leben, wie wir uns das vorstellen. Uns von Ort zu Ort zu bewegen, mit Menschen zu kommunizieren, Momente miteinander zu teilen und das zu tun, was wir lieben. In jedem einzelnen Moment.

Natürlich muss nicht erst ein Körperteil ausfallen, damit wir ihm wieder neu Beachtung schenken. Wir können uns auch jedem einzelnen Teil mit unserer vollen Achtsamkeit widmen – und lernen, ihn neu zu spüren.

Ich habe schon mal darüber geschrieben, wie wichtig ein guter und sicherer Stand ist, wenn du vor Publikum redest oder präsentierst. Aber natürlich gibt es noch viel, viel mehr Situationen im Leben, wo es zuträglich ist, dass wir uns so ganz wie möglich wahrnehmen. Von den Füßen bis zum Scheitelpunkt…

Fangen wir heute erst mal mit den Füßen an. Im Folgenden findest du eine Körper-Übung, die du gut allein zu Hause machen kannst. Eine Übung für einen guten und sicheren Stand - oder auch eine kleine Wellness- und Wahrnehmungseinheit. 
 

Wahrnehmungs-Übung für einen sicheren und soliden Stand

Nimm dir für diese Übung etwa 5 Minuten Zeit. Du brauchst für die Übung einen kleinen Igelball oder ein Kirschkernkissen. Alternativ kannst du auch z.B. einen etwa faustgroßen Stein, einen Korken oder einen Tennisball nehmen.

Zieh deine Schuhe aus und am besten auch noch deine Socken, sodass du barfuß bist. Stell dich aufrecht hin, mit genügend Platz zu jeder Seite.

Atme tief durch und nimm aufmerksam wahr, wie du gerade dastehst. Wie fühlt sich dein Körper gerade an? Wie fühlen sich deine Füße an? Wie stehen sie da auf dem Boden?

Dann nimm dir den Igelball, oder was du an Material gerade da hast, und leg ihn unter einen Fuß. Fang an, den Ball unter dem Fuß hin und her zu rollen.

Massiere deinen Fuß von jeder Seite aus gut durch. Vorne, hinten, kreuz und quer. Das darf und soll angenehm sein. Eine kleine Massageeinheit für deinen Fuß.

Nach etwa 1-2 Minuten roll den Ball zur Seite und stell dich wieder auf beide Füße.

Wie fühlt sich nun der massierte Fuß an, im Vergleich zum anderen? Was nimmst du wahr? Was hat sich verändert?

Wenn du diese Fragen für dich beantwortet hast, dann roll den Ball unter den anderen Fuß.

Halte dabei das, vielleicht neue und ungewohnte, Gefühl in dem behandelten Fuß achtsam in deinem Bewusstsein.

Wiederhole nun die Massage mit dem zweiten Fuß: vor, zurück, hin, her und rundherum.

Nach weiteren 1-2 Minuten roll den Ball endgültig zur Seite und stell dich nun auf beide bearbeiteten Füße.

Wie stehst du jetzt da? Wie fühlen sich deine Füße an? Was hat sich verändert – im Vergleich zu dem Gefühl vom Anfang der Übung?
 

Vielleicht so …?

Vielleicht fühlen sich deine Füße breiter an. Flacher. Besser durchblutet.
Vielleicht hast du mehr Bodenkontakt.
Vielleicht fühlst du dich ‚anders verwurzelt‘.

Vielleicht – spür noch mal nach …

Höchstwahrscheinlich stehst du anders da als vorhin.

Sicher. Solide. Sensibilisiert für diese wunderbaren, treuen Gefährten, die dich durch die Welt tragen. Verbunden mit diesem Teil von dir. 

 

Nimm dieses Gefühl für deine Füße mit für die nächsten Schritte, die du gehst.
Erinnere dich an diesen sicheren, soliden Stand bei deinem kommenden Vortrag.
Fühl deine Füße, wenn du völlig ‚von den Socken‘ bist.
Und wenn du neue Wege gehst– Schritt für Schritt.