Blackbird

 
 

Blackbird von David Harrower
 

Stück

Vieles an diesem Text reizte mich bereits im Vorfeld besonders: ein reduziertes, aber komplexes Figurenpersonal, ein tief in der Vergangenheit liegender Ursprungskonflikt und das alles in einem klaustrophobischen Raum in Echtzeit spielend.
Denn 15 Jahre nach ihrer letzten Begegnung steht Una plötzlich an seinem Arbeitsplatz vor Ray, der mittlerweile ein neues Leben angefangen hat. Als sie 12 und er 40 war, sind sie miteinander abgehauen. Er saß danach lange als Kinderschänder im Gefängnis, sie wurde als Missbrauchsopfer von der Außenwelt abgeschottet.

Im Team haben uns der Kampf um die Deutung der eigenen Vergangenheit und das damit verbundene Bedürfnis nach Identität interessiert. Der Text hat uns dazu getrieben, permanent eigene Wertungen und Vorurteile zu hinterfragen und die individuellen Wahrheiten der Figuren anzuerkennen. Denn letzten Endes könnte es auch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte gewesen sein...
 

RAY     du warst nicht wie andere kinder.
UNA    ich war ein mädchen.

 

Presse

„Wie lebt man weiter, Jahre später? Wie findet man die Wahrheit in der eigenen Geschichte? Fragen, denen Regisseurin Beatrix Schwarzbach in ihrer Inszenierung sensibel nachspürt.“
Gabriele Gorgas, SZ, 16.09.2008

„Der Regisseurin Beatrix Schwarzbach gelingt es, gemeinsam mit den Schauspielern eine ungewöhnliche Liebesgeschichte glaubwürdig zu erzählen, ohne dafür besonders ausgefallene Theatermittel anzustrengen. Das tut dem Stück gut, weil es den Zuschauer nicht verschrecken, sondern in die eigenen Vorstellungen, Erfahrungen und Urteile verwickeln will, weil es die Debatte provozieren kann über die Grenzen zwischen Liebe und Abhängigkeit, Verantwortung und Missbrauch. Weil es uns mit den Normen konfrontiert, die wir für unser Leben finden, damit es uns nicht entgleitet.“
Caren Pfeil, NN, 16.09.2008


 

Bühne & Kostüme   Francesca Ciola     IIIII     Dramaturgie   Stephan Wetzel     IIIII     Fotos   Hans Ludwig Böhme
Mit   Franziska Beyer, Hans-Christian Seeger
Staatsschauspiel Dresden     IIIII     September 2008