WAS IST THEATERORIENTIERTES TRAINING: WIE ICH THEATERELEMENTE BEI REDEN EINSETZE

 
 
Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker

Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker

 

Eine Theater-Aufführung entsteht in mehreren Schritten, genauso wie eine Rede vor Publikum. Diese Analogie nutze ich als ganzheitlichen Ansatz fürs Rhetorik-Training: vom Planen einer Rede übers Proben zum Performen.

Was Training mit Theater nicht sein soll

Vorab: Ich beginne damit, was rhetorisches Training mit Theaterelementen für mich nicht ist: es bedeutet nicht, dass jeder ein Schauspieler werden muss. Niemand muss etwas auf der Bühne darstellen, was er nicht ist.

Theaterorientiertes Training soll Freude am Sich-Zeigen vermitteln, darf aber niemanden bloßstellen. Denn es gibt diesen Moment der tief empfundenen Scham, wenn jemand auf die Bühne geht und nicht weiß, was er eigentlich dort machen soll. Wenn alle Augen auf einen gerichtet sind, und man nur dem Impuls verspürt: schnell wieder weg hier. Das ist natürlich kontraproduktiv. 

Deswegen stehe ich unterschiedlichen Formen des Improvisationstheaters und der in Trainings eingesetzten theatralen Rollenspiele leise kritisch gegenüber.

Theater als ganzheitlicher Prozess

Für mich ist Theater ein ungemein kraftvolles Instrument, bei dem es um einen ganzheitlichen Prozess geht. Dieser Weg, auf den ich zuerst einen Blick werfe, führt über unterschiedliche Stationen. Danach erläutere ich seine Anwendung im Kontext des Rhetorik-Trainings.

3 Phasen auf dem Weg zur Aufführung

Am Anfang einer Inszenierung steht ein Theater-Text; manchmal auch nur ein Thema oder eine Material-Sammlung. Das gesamte Team kommt zusammen und stellt Fragen. Diese bilden den Ausgangspunkt für die weitere Arbeit: Was wollen wir erzählen? Für wen erzählen wir diese Geschichte? Warum machen wir das: wo liegt heute die gesellschaftliche und inhaltliche Relevanz für dieses gemeinsame Erzählen?

Sind die Ausgangsfragen geklärt und für alle plausibel, geht es an den nächsten Schritt: die Übersetzung des vorhandenen Materials in gesprochene Sprache, lebendige Körper und klare Situationen auf der Bühne. Das ist die zweite große Phase in der Theaterarbeit: das gemeinsame Proben.

Während der Proben schält sich immer deutlicher heraus, wie die Botschaft vermittelt werden kann – und wo vielleicht noch Anpassungen erforderlich sind. Das Bewusstsein für das gemeinsam verfolgte Ziel wird stärker. Körper, Sprache und Bewegung auf der Bühne werden immer präziser eingesetzt.

Dann kommt der Punkt, meist durch ein Premierendatum von außen vorgegeben, an dem es raus auf die Bühne geht. Jetzt wird die gemeinsam und im geschützten Rahmen erarbeitete Aufführung den Augen der Öffentlichkeit präsentiert. Das ist der Moment, an dem die Spannung steigt und der Umgang mit Lampenfieber in den Fokus rückt. Denn das Lampenfieber treibt den Puls in die Höhe und eine neue Übung beginnt: loslassen, vertrauen und in einen Dialog mit dem Publikum treten

Grob gegliedert gibt es also 3 Stationen auf dem Weg zu einer Aufführung: die Phase der Planung & Vorbereitung, den Weg der Proben in einem geschützten Rahmen und die Performance vor Publikum. Diese 3 Schritte sind in jeder Hinsicht übertragbar auf das Reden, Vortragen, Präsentieren vor Publikum.

3 Lern-Bereiche in der Rede-Rhetorik

Auch die Vermittlung aller Inhalte der Rede-Rhetorik in gängigen Seminaren gliedert sich in drei Bereiche:

1.     Erstellen und Gliedern von Reden, Ausrichtung auf das Ziel-Publikum: in diesem ersten Schritt geht es darum, den Teilnehmern das notwendige Handwerkszeug zu vermitteln, damit diese eine publikumswirksame Rede entwickeln und ihre Inhalte prägnant rüberbringen können.

2.      Im zweiten Schritt wird dann die rhetorische Oberflächenstruktur vermittelt: alles, was Optik, Akustik und Sprache betrifft. Hier spielen Lerninhalte zur Körpersprache, Atmung und Intention, sowie zur Artikulation oder sprachlichen Prägnanz eine Rolle.

3.      Das dritte Feld beschäftigt sich mit dem Auftritt vor Publikum, dem Da-Sein auf der Bühne und dem produktiven Umgang mit Lampenfieber. Denn natürlich ist das Lampenfieber vor einem Auftritt der Faktor, den viele Redende als großes Hemmnis erleben. 

Diese 3 zu vermittelnden Bereiche werden oft auf unterschiedliche Seminare unterteilt. Das kann durchaus Sinn machen: man nähert sich dem Ziel, besser vor Publikum zu reden, in kleinen Schritten.

Eine gute Bühnen-Performance ist ein Gesamt-Produkt

Mir liegt ein anderer Ansatz am Herzen, und das hat nun viel mit meiner Theater-Erfahrung zu tun. Ich glaube daran, dass eine gute Bühnen-Performance die Summe ihrer Einzelteile ist.

Wer erfolgreich und überzeugend vor Publikum reden kann, hat sich mit allen Ebenen der Rede-Rhetorik beschäftigt. Warum dann nicht von Anfang an das rednerische Komplett-Paket vermitteln in einem theaterorientierten Training vermitteln – zumindest so weit, wie es in einem Seminar-Kontext oder im Einzeltraining möglich ist?

Wie wir unsere Körpersprache einsetzen und wie die Stimme klingt, hat viel mit der inneren Haltung zu unseren Rede-Inhalten zu tun. Wer seine Rede mehrmals geübt hat und erfahren hat, dass es möglich ist, sie überzeugend und ohne Stocken rüberzubringen, wird weniger unter Nervosität leiden und findet einen erfolgreichen Umgang mit Lampenfieber.

Und wem absolut klar ist, welche wichtige Botschaft er rüberbringen muss und warum diese relevant für seine Zuhörer ist, der wird, bei aller vorhandenen Nervosität, motiviert zum Auftritt gehen und sein Publikum im Sturm erobern.

Deswegen versuche ich, Rede-Auftritte mit meinen TeilnehmerInnen immer als ein Gesamt-Kunstwerk zu sehen und zu planen. Denn jede Rede ist wie eine kleine Inszenierung: es passiert einiges hinter den Kulissen, bis man hinaustritt vors Publikum.

Redend auf der Bühne sichtbar werden

Wenn diese Schritte, analog zur Theaterarbeit und logisch stringent im Training aufeinander aufbauen und sich ergänzen, dann behält man am Ende mehr als nur Wissen aus einem einzelnen Bereich: nämlich eine ganzheitliche Erfahrung, die Körper und Geist verbindet. Und die macht dann den ganzen Menschen mit seiner Botschaft auf der Bühne sichtbar.

Ich bin überzeugt davon, dass auch das Publikum einen Redner sehen möchte, der in seiner ganzen Kraft steht, präsent und frei redet – und im Moment seines Auftritts auch genau da sein möchte: auf der Bühne.

Deswegen setze ich Theaterelemente im theaterorientierten Training immer nur ein, um Redner stärker zu machen und ein bewussteres Kommunizieren zu ermöglichen. Und zwar im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes: vom Planen der Rede übers Proben zum Performen.  

 

Wie Ihre Rede in 3 Schritten zu einer glanzvollen Performance wird, können Sie im Rahmen des Seminars Meine Rede: eine Inszenierung ausprobieren. Ich freue mich auf Sie! 

Oder wir schauen ganz konkret, vor Ort in Berlin oder anderswo, wie das theaterorientierte Training Ihnen helfen kann, bei einer Rede das Beste aus Ihrer Zeit auf der Bühne zu machen!