WAS AUFRÄUMEN MIT DER STRUKTUR EINER REDE ZU TUN HAT

 
 
Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker

Beitragsbild: Marlène Meyer-Dunker

 

Ich räume gerne auf. Ausmisten, sortieren, wegwerfen und Ordnung in die Dinge bringen, die mich umgeben: das hat für mich viel mit dem Schaffen von Klarheit zu tun.
 

'Innere Klarheit bringt äußere Klarheit.'

Dieser Spruch begleitet mich schon längere Zeit, und ich mag ihn sehr. Ich bin überzeugt davon, dass sich die im Äußeren erwirkte Klarheit auch innerlich widerspiegelt. Schließlich ist alles miteinander verbunden, oder?

Durch das Aufräumen finde ich ein System für die mich umgebenden Objekte.  Idealerweise finde nicht nur ich mich darin zurecht, sondern auch meine Familie oder Besuch. Gleichzeitig darf die Anordnung etwas darüber erzählen, was mir wichtig ist. Dabei trenne ich mich gerne von Überflüssigem. Dinge, die bleiben sollen, bekommen ihren Platz zugewiesen.
 

Struktur wirkt nach innen und außen

 

In letzter Zeit denke ich viel über Struktur und Ordnung in Bezug auf Reden nach. Ich bin überzeugt davon, dass es sich hier wie beim Aufräumen verhält: die erworbene Klarheit wirkt nach innen und nach außen.

Nach innen, weil sich der Redner in seinen Ausführungen selbst besser zurecht findet. Und nach außen, weil das Publikum durch eine klare Struktur besser versteht, worum es geht.

Ein Publikum, das verständlich informiert wird, ist aufmerksamer und fokussierter bei der Sache. Das wiederum wirkt sich positiv auf den Redner aus. Schließlich ist das Ganze eine Wechselbeziehung. Grund genug, einen Blick auf das Thema Reden-Struktur zu werfen.
 

Das Wichtige für diese Rede planen

Alles beginnt mit der Rede-Planung. Zuerst werden aus den vorhandenen Inhalten und Informationen genau die ausgewählt, die für diese Rede mit diesem Ziel und vor genau diesem Publikum die wichtigen sind. Das gleicht einem Rundum-Blick durch die eigene Wohnung mit den Augen eines Fremden.

Hilfreiche Fragen sind dabei: Welchen Wissensstand hat mein Publikum? Wie schätze ich vorherrschende Einstellungen ein? Welche Gefühle und Gedanken haben meine Zuhörer vermutlich meinen Inhalten und Argumenten gegenüber? So können Sie Ihre Inhalte genau auswählen.
 

Inhalte in eine Reihenfolge bringen

Im nächsten Schritt geht es mit dem Ordnen und Strukturieren los. Ihre Informationen müssen in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden. Ordnen Sie Ihre Inhalte so klar und übersichtlich an, dass Ihre Zuhörer mühelos folgen können. Immer, wenn Sie merken, dass Sie in diesem Prozess den Gedanken an Ihr Publikum verlieren, fokussieren Sie sich neu mit diesen Fragen:

  • Was erwartet mein Publikum? Von welchem Punkt aus „hole ich die Leute ab“?
  • Was will ich wirklich erreichen? Was ist das Ziel meines Sprechens?
  • Was sind die wichtigsten Punkte meiner Präsentation? Was soll mein Publikum wirklich mitnehmen?
     

Kill your Darlings

So können Sie Ihre Rede auf die wesentlichen, wirksamen Punkte und Inhalte beschränken. Das darf auch frei nach dem Motto „kill your darlings“ laufen, das am Theater sehr beliebt ist. Gerade während fortgeschrittener Proben erinnern sich Theater-Leute daran, in dem bisher Produzierten „auszumisten“ und das Unwichtige auszusieben.

Damit eine für das Publikum spannende Vorstellung entsteht, trennt man sich von vielen Ideen und Szenen-Schnipseln, die während der Proben erst mal wichtig waren. Da handelt es sich oft um „Insider“ des Teams, die das Publikum weder nachvollziehen noch einordnen kann. Radikal mit dem Blick auf das Ganze zu kürzen und sich auf das Wesentliche zu besinnen, tut Theater-Abenden ebenso gut wie Rede-Auftritten.
 

Gliederungen für mehr Verständlichkeit

Wenn Sie Ihre Inhalte gesammelt und auf das Publikum ausgerichtet haben, fangen Sie an, diese immer genauer zu gliedern. Gliederungen haben eine große Bedeutung für die Verständlichkeit – sowohl für Sie selbst, als auch für Ihre Zuhörer. Stellen Sie immer das Grundsätzliche zuerst dar, bevor Sie sich den einzelnen untergeordneten Punkten widmen.

Für den Hörer sollte Ihre Gliederung erkennbar und nachvollziehbar sein. Er möchte sich schnell orientieren und den roten Faden in Ihren Ausführungen erkennen. Der ergibt sich aus Ihren Inhalten, und muss während des Sprechens immer wieder aufgenommen werden. Es kann helfen, mit einer leitmotivischen Geschichte zu arbeiten, zu der Sie immer wieder zurückkehren.
 

Die Orientierung erleichtern

Strukturierende Einschübe machen es dem Publikum leicht, Ihnen zu folgen. Diese haben keine eigene inhaltliche Funktion, erleichtern aber enorm die Orientierung. Das sind Sätze wie: „Das beantwortet 3 Fragen: ...“, „Ich fasse das jetzt noch einmal zusammen: ...“ oder „Was diese Voraussetzungen für uns bedeuten: ...“.

Zusammenfassungen sind sowohl am Schluss einer Rede sinnvoll, als auch am Ende jedes Redeabschnitts. Hier haben Sie die Möglichkeit, das Wesentliche noch einmal hervorzuheben und Ihre Inhalte nachzustrukturieren. Darüber hinaus machen Sie kenntlich, wo ein Abschnitt endet und ein neuer beginnt.
 

Den Anfangs-Überblick zum Schluss erarbeiten

Ein Tipp für den Rede-Anfang am Ende: Geben Sie Ihren Hörern zu Beginn einen Überblick über das, was sie erwartet. Gleichsam eine kurze, prägnante Grobgliederung. Komplexe Inhalte können so leichter eingeordnet werden. Zudem weiß das Publikum an jedem Punkt Ihrer Rede, wo Sie sich befinden. Wenn Sie Ihre Rede über weite Züge ausgearbeitet haben, fällt es besonders leicht, diesen Überblick am Beginn einzubauen.
 

Durch eine aufgeräumte Wohnung führen

Eine gut strukturierte Rede ist wie eine aufgeräumte Wohnung: Sie fühlen sich dort selbst wohl, und sie wirkt einladend auf Ihre Besucher. Jedes Ding hat seinen Platz, und es steht nichts Überflüssiges herum. Aber das, was da ist, darf angesehen werden. Besuch folgt Ihnen gerne und neugierig durch die verschiedenen Zimmer – und bekommt einen Einblick in das, was Ihnen wichtig und wertvoll ist. 

 

Frühjahrsputz für Ihre anstehende Rede gefällig? Dann lassen Sie uns miteinander beim PLANEN gleich alles aufräumen und sorgfältig strukturieren. Weil Klarheit rockt!